Die Pflanzen im Südamerika-Paludarium
Die Bepflanzung meines Paludariums ist inzwischen ziemlich vielfältig geworden. Dabei habe ich versucht, die unterschiedlichen Bereiche des Beckens nicht nur optisch, sondern auch klimatisch unterschiedlich zu nutzen.
Ein Paludarium hat gegenüber einem normalen Aquarium einen großen Vorteil: Auf relativ kleiner Grundfläche lassen sich verschiedene Bedingungen übereinander erzeugen. In meinem Becken entsteht dadurch ein deutliches vertikales Klimaprofil. Im oberen Bereich ist es durch die Nähe zur Beleuchtung wärmer und deutlich lichtintensiver, während es weiter unten in Richtung Wasser kühler und insgesamt ausgeglichener wird. Dazu kommen unterschiedliche Bereiche hinsichtlich Beregnung, Luftbewegung und dauerhafter Feuchtigkeit.
Genau diese Unterschiede nutze ich bei der Bepflanzung.
Im oberen Bereich sitzen vor allem die Pflanzen, die mit viel Licht und den dort höheren Temperaturen gut zurechtkommen. Besonders die Bromelien bekommen hier einen sehr hellen Platz. Einige meiner Neoregelia sitzen praktisch direkt unter der Beleuchtung und werden bei der Beregnung auch vollständig getroffen.
Das passt sehr gut zu ihrer Lebensweise. Viele Bromelien wachsen als Epiphyten hoch oben in Bäumen und sind dort einerseits einer hohen Lichtintensität ausgesetzt, andererseits regelmäßigem Regen. Bei Neoregelia kommt noch die typische Trichterrosette hinzu. Die Blätter bilden einen Auffangbereich für Wasser. Die Bromelien dürfen bei mir deshalb bewusst viel Licht und viel Regen bekommen.
Bei den Tillandsien sieht die Situation etwas anders aus. Sie sitzen ebenfalls weit oben und bekommen viel Licht, stehen aber nicht direkt im stärksten Regenstrahl. Tillandsien nehmen Wasser und darin gelöste Stoffe zu einem großen Teil über spezielle Strukturen auf ihren Blättern, die sogenannten Trichome, auf. Entscheidend ist deshalb, dass sie nach der Befeuchtung auch wieder abtrocknen können.
Sie bekommen bei mir regelmäßig Feuchtigkeit und die hohe Luftfeuchtigkeit des oberen Bereichs, werden aber nicht dauerhaft nass gehalten. Gleichzeitig sorgt die Position für ausreichend Luftbewegung.
Damit liegen Bromelien und Tillandsien im selben oberen Klimabereich, bekommen aber nicht exakt dieselben Bedingungen.
Auf den Strukturen und am Holz finden sich außerdem verschiedene Vertreter der Gattung Peperomia. Besonders die kleinblättrigen, teilweise hängenden Formen nutzen die vertikalen Flächen sehr schön aus. Sie bilden einen interessanten Kontrast zu den großen Rosetten der Bromelien und lockern die Holzflächen auf.
Ebenfalls an den Strukturen wächst Ficus pumila. Die Kletterfeige bildet mit ihren kleinen Blättern einen ganz anderen Wuchscharakter. Während die Peperomien eher hängend beziehungsweise locker kletternd wachsen, legt sich der Ficus flächig an die vorhandenen Strukturen und arbeitet sich daran nach oben.
Noch stärker an der Oberfläche entlang wächst die Marcgravia. Sie legt ihre Triebe eng an Holz und andere Strukturen an und erschließt damit eine weitere Form des vertikalen Wachstums. Genau solche unterschiedlichen Wuchsformen finde ich bei der Bepflanzung besonders interessant.
Auch einige Orchideen haben ihren Platz im Paludarium gefunden. Sie sitzen auf Holz und nutzen damit ebenfalls die vertikale Ebene. Zusammen mit Tillandsien, Peperomien, Ficus und Marcgravia entsteht dadurch zunehmend der Charakter eines bewachsenen Regenwaldbereichs.
Eine besondere Pflanze ist Biophytum sensitivum. Die gefiederten Blätter und die kleinen rosafarbenen bis lilafarbenen Blüten unterscheiden sie deutlich von den übrigen Pflanzen. Sie sitzt im Landbereich und bringt dort eine völlig andere Wuchsform hinein.
Im unteren Bereich verändert sich das Pflanzenbild. Hier finden sich der kleine Baumfarn, Moose und weitere feuchtigkeitsliebende Pflanzen. Durch die geringere Lichtintensität und die Nähe zur Wasserfläche herrschen hier andere Bedingungen als direkt unter der Beleuchtung.
Im Übergangsbereich zwischen Land und Wasser wächst außerdem eine Anubias. Ihre robusten Blätter und ihre Toleranz gegenüber dauerhaft feuchten Bedingungen machen sie für diesen Bereich sehr passend. Sie bildet damit einen deutlichen Übergang zwischen dem eigentlichen Wasserbereich und der Landbepflanzung.
Eine weitere kleine Besonderheit ist die blühende Pflanze aus der Familie der Gesneriaceae. Mit ihren kleinen behaarten Blättern und den weißen Blüten mit violetter Zeichnung bringt sie noch einmal eine ganz andere Struktur in die Bepflanzung.
Ergänzt wird das Ganze durch Moose, die sich an verschiedenen feuchten Stellen auf Holz und anderen Strukturen angesiedelt haben. Sie sind dabei weniger ein einzelnes Gestaltungselement als vielmehr Teil der zunehmenden Begrünung der Oberflächen.
Was mir an der Bepflanzung besonders gefällt, ist diese vertikale Aufteilung. Oben befinden sich die hellen und wärmeren Bereiche mit Bromelien und Tillandsien. Darunter folgen die verschiedenen epiphytischen Pflanzen und Orchideen. In den feuchteren und kühleren Bereichen weiter unten finden sich Baumfarn, Biophytum, Gesneriaceae und Moose. Im Wasser-/Landübergang sitzt die Anubias.
Dabei geht es mir nicht darum, überall exakt dieselben Bedingungen zu schaffen. Im Gegenteil: Die vorhandenen Unterschiede sollen genutzt werden.
Die Bromelien dürfen beispielsweise voll im Licht und im Regen stehen, weil diese Kombination gut zu ihrer Lebensweise passt. Die Tillandsien bekommen ebenfalls viel Licht, werden aber so positioniert, dass sie nach der Befeuchtung wieder gut abtrocknen können. Weiter unten nimmt die Lichtintensität ab und die Umgebung wird feuchter und kühler. Dort sitzen entsprechend Pflanzen, die mit diesen Bedingungen besser zurechtkommen.
Dadurch entsteht im Becken nicht nur eine optische Staffelung, sondern tatsächlich eine kleine vertikale Klimazonierung.
Genau das ist für mich einer der interessanten Punkte an einem Paludarium. Man versucht nicht, eine einzige Umgebung für alle Pflanzen zu schaffen, sondern nutzt die vorhandenen Unterschiede. Die Pflanzen werden dort platziert, wo ihre jeweiligen Ansprüche möglichst gut zu den Bedingungen passen.
Mit zunehmendem Pflanzenwachstum wird sich das Ganze noch weiter verändern. Wenn Moose Strukturen überwachsen, die Epiphyten größer werden und sich die Pflanzen gegenseitig beschatten, entstehen wiederum neue Mikrobereiche. Aus dem anfänglich künstlich angelegten Aufbau entwickelt sich dadurch nach und nach ein eigenes kleines System.
Dabei ist die Bepflanzung nicht nur Dekoration. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Paludariums und macht einen großen Teil des Reizes aus: verschiedene Wuchsformen, unterschiedliche Ansprüche und mehrere Klimabereiche – alles auf relativ kleinem Raum.
Eine kleine Besonderheit gibt es dabei allerdings: Die Bepflanzung ist nicht vollständig streng südamerikanisch. Die Anubias stammt ursprünglich aus dem tropischen Afrika und auch Biophytum sensitivum ist keine südamerikanische Art. Für mich steht deshalb bei diesen Pflanzen nicht die hundertprozentige biogeografische Reinheit im Vordergrund, sondern die Funktion und das Erscheinungsbild innerhalb des Paludariums.