Der Wasserteil – Schwarzwasser im Paludarium
Der Wasserteil meines Paludariums ist von Anfang an als Schwarzwasserbereich geplant gewesen. Dabei wollte ich allerdings nicht einfach nur braun gefärbtes Wasser erzeugen, sondern mich an den natürlichen Schwarzwassersystemen Südamerikas orientieren.
Als Vorbild dient dabei vor allem der Rio Negro, einer der bedeutendsten Schwarzwasserflüsse des Amazonasbeckens. Das Wasser solcher Systeme ist durch große Mengen gelöster organischer Substanz dunkel gefärbt. Vor allem Huminstoffe und andere Bestandteile des gelösten organischen Kohlenstoffs sorgen für die typische bernstein- bis dunkelbraune Färbung. Gleichzeitig sind diese Gewässer sehr mineralstoffarm und häufig deutlich sauer.
Das ist ein interessanter Gegensatz: Optisch wirken Schwarzwasserflüsse oft wie sehr „dunkle“ und nährstoffreiche Gewässer. Chemisch sind sie aber häufig ausgesprochen ionenarm. Trotzdem beherbergen sie eine sehr artenreiche Fischfauna. Die Fische, die dort dauerhaft leben, sind an diese besonderen Bedingungen angepasst.
Genau diese Kombination aus sehr weichem, mineralstoffarmem Wasser, gelösten organischen Stoffen und der typischen Lichtdämpfung macht für mich den Reiz eines Schwarzwasserbeckens aus.
Die Umsetzung im Paludarium
Im Wasserteil verwende ich dunklen Gümmer-Sand, Holz und zunächst verschiedene Botanicals. Dazu kommen die Pflanzen des Wasserbereichs. Das Wasser hat dadurch eine deutliche bernsteinfarbene Färbung angenommen.
Dabei ist mir wichtig, zwischen natürlichem Schwarzwasser und einer technischen Nachbildung im Aquarium zu unterscheiden. Ein Paludarium kann die wesentlichen Eigenschaften eines solchen Lebensraumes nachbilden, aber niemals dessen komplettes Ökosystem kopieren.
Ein Fluss wie der Rio Negro besitzt ein riesiges Wasservolumen und einen permanenten Stoffaustausch. In einem begrenzten Aquarium laufen dieselben biologischen und chemischen Prozesse auf sehr viel kleinerem Raum ab. Was im natürlichen System problemlos verarbeitet wird, kann im Aquarium deshalb durchaus zu einer Belastung werden.
Genau diese Erfahrung musste ich mit den Botanicals machen.
Botanicals – zwischen Schwarzwasser und organischer Belastung
Blätter, Früchte, Rinden und andere pflanzliche Materialien gehören für mich grundsätzlich zum Schwarzwasserkonzept. Sie liefern organisches Material und können bei ihrer Zersetzung lösliche organische Verbindungen freisetzen.
Am Anfang habe ich dabei allerdings zu viel Material beziehungsweise teilweise ungeeignete Materialien eingesetzt. Einige der verwendeten Blätter zerfielen innerhalb weniger Tage regelrecht. Walnuss-, Maulbeer- und Guavenblätter verwandelten sich teilweise in eine weiche, schleimige Masse und wurden deshalb wieder entfernt.
Später kam noch die Thelambu-Schote dazu. Auch dort bildete sich ein deutlicher grüner Schimmelbelag und es entstand ein unangenehmer Geruch. Deshalb wurde auch sie entfernt.
Letztlich habe ich sämtliche Botanicals aus dem Wasserteil herausgenommen.
Interessant war dabei, dass das Wasser selbst geruchlos blieb. Der unangenehme Geruch ging von den sich zersetzenden Materialien aus.
Für mich war das eine der wichtigsten Erfahrungen beim Aufbau des Schwarzwasserbereichs: Botanicals sind nicht automatisch umso besser, je mehr davon im Becken liegen. Entscheidend ist, wie viel organisches Material das noch junge biologische System tatsächlich verarbeiten kann.
Das bedeutet für mich nicht, dass Botanicals aus dem Konzept verschwinden. Im Gegenteil. Sie gehören für mich weiterhin zum Schwarzwassercharakter. Künftig werde ich sie aber deutlich gezielter und in kleineren Mengen einsetzen.
Und dann kamen die Algen
Parallel zu dieser Entwicklung entstand im Wasserteil ein deutliches Algenproblem.
Bei den Wasserwerten fiel zunächst vor allem das Phosphat auf. Der gemessene Wert lag bei 2,0 mg/l, während Nitrat mit 0,5 mg/l gleichzeitig sehr niedrig war. Deshalb habe ich zunächst einen Phosphatadsorber eingesetzt. Innerhalb weniger Tage fiel der gemessene PO4-Wert auf 0,5 mg/l.
Damit war die Algenproblematik allerdings nicht einfach verschwunden.
Ich habe deshalb bewusst nicht versucht, möglichst viele Maßnahmen gleichzeitig einzusetzen. Die Algen wurden zunächst mechanisch entfernt, problematische Botanicals wurden reduziert beziehungsweise später vollständig entfernt und die weitere Entwicklung wurde beobachtet.
Zusätzlich habe ich mit der Dosierung von Gerstensaftextrakt begonnen. Ob und welchen konkreten Einfluss das auf die Algenentwicklung haben wird, lässt sich bei der noch jungen Anwendung allerdings noch nicht beurteilen.
Auch hier hat mir das Becken letztlich mehr beigebracht als jede Planung am Schreibtisch. Die Algen waren nicht einfach ein Problem, das möglichst schnell verschwinden musste, sondern ein Hinweis darauf, dass verschiedene Prozesse im noch jungen System noch nicht im Gleichgewicht waren.
Nach der Entfernung der Algen und Botanicals sieht der Wasserteil inzwischen wieder deutlich anders aus. Die großen Wurzeln, der dunkle Bodengrund und die Pflanzen kommen viel stärker zur Geltung.
Die Pflanzen im Schwarzwasserbereich
Auch bei den Pflanzen mache ich bewusst einen Unterschied zwischen Schwarzwasseroptik und einem streng geografischen Biotop.
Im Wasserteil wachsen unter anderem Javafarn, Cryptocoryne sowie die Seerosen. Besonders interessant finde ich dabei den Roten Tigerlotus und Nymphaea gardneriana. Letztere ist eine vergleichsweise selten angebotene Art und besitzt ein natürliches Verbreitungsgebiet in Kuba und im tropischen Südamerika, darunter auch Brasilien.
Mein Ziel ist bei den Seerosen ausdrücklich nicht, sie kleinzuhalten. Wenn sie Schwimmblätter bilden, dürfen sie diese auch entwickeln. Gerade die entstehenden Schattenbereiche finde ich für den Wasserteil interessant.
Allerdings ist die Bepflanzung kein streng nachgebildetes Rio-Negro-Biotop. Einige der verwendeten Aquarienpflanzen stammen aus anderen Regionen der Tropen. Das gilt beispielsweise für Javafarn oder Anubias. Auch die übrige Bepflanzung des Paludariums ist nicht ausschließlich auf eine einzige natürliche Region beschränkt.
Das ist für mich ein bewusster Kompromiss.
Ich möchte die ökologischen Zusammenhänge des Schwarzwassers möglichst realistisch darstellen, gleichzeitig aber Pflanzen verwenden, die mit den Bedingungen im Paludarium funktionieren und mir gestalterisch gefallen.
Auch beim Besatz geht es nicht um eine 1:1-Kopie
Ähnlich verhält es sich mit dem Besatz.
Die Roten Neons gehören inzwischen zum festen Wasserteil und passen sowohl optisch als auch hinsichtlich ihres natürlichen Lebensraums sehr gut zum Schwarzwasser-Konzept. Später sind weitere Bewohner vorgesehen.
Auch hier geht es mir aber nicht darum, eine exakte Fischfauna eines bestimmten Flussabschnitts zu kopieren. Das Becken ist eine südamerikanisch inspirierte Schwarzwasserlandschaft, keine wissenschaftliche Biotoprekonstruktion.
Gerade die Roten Neons zeigen für mich sehr schön, welchen Einfluss das Schwarzwasser auf die Wirkung des gesamten Beckens hat. Vor dem dunklen Hintergrund und zwischen den Wurzeln kommen ihre Farben besonders stark zur Geltung.
Schwarzwasser ist mehr als braunes Wasser
Genau das ist letztlich der Punkt, der mich an diesem Teil des Projektes besonders interessiert.
Schwarzwasser ist nicht einfach Wasser, das durch ein paar Blätter braun geworden ist. Dahinter steht ein komplexes Zusammenspiel aus Wasserchemie, gelöster organischer Substanz, Mineralstoffarmut, Lichtverhältnissen, mikrobieller Aktivität und einer daran angepassten Tier- und Pflanzenwelt.
Mein Paludarium kann davon nur einen Ausschnitt abbilden.
Und gerade die ersten Wochen haben gezeigt, warum. Die gleiche Idee, die im natürlichen Lebensraum funktioniert – viel organisches Material, sehr weiches Wasser und eine ausgeprägte Huminstoffkomponente – muss im Aquarium wesentlich kontrollierter umgesetzt werden.
Das Schwarzwasser entwickelt sich deshalb bei mir nicht einfach dadurch, dass ich immer mehr Blätter und andere Naturmaterialien ins Becken gebe. Viel interessanter ist es, zu beobachten, wie das gesamte System auf die einzelnen Komponenten reagiert.
Nach der Algenphase, der Entfernung der Botanicals und den ersten Anpassungen sieht der Wasserteil inzwischen wieder deutlich aufgeräumter aus. Die Grundlage bleibt aber dieselbe: dunkler Bodengrund, große Wurzeln, gedämpfte Lichtverhältnisse, Pflanzen und ein möglichst weiches, mineralstoffarmes Wasser.
Und jetzt darf sich das System erst einmal weiterentwickeln.