Warum eigentlich Wasser wechseln?

Hallo zusammen,
ich habe mal eine generelle Frage zum Thema Wasserwechsel! Warum muß man eigentlich bei einem gut laufenden Aquarium das Wasser wechseln? Ich habe eine Dauerdiskussion zu Hause mit meinem allwissenden Schwiegervater, der aus Altersgründen nach zig Jahrzehnten sein Aquaristik-Hobby aufgegeben hat. Für ihn galt immer ca 3-4 Wasserwechsel pro Jahr! Ein AQ sei ein eingefahrenes Biotop an dem man nicht herumwerkel soll. Er hat immer nur wenn der Pflanzenwuchs zu enorm wurde gegärtnert und dabei Wasser gewechselt.
Warum heißt es denn jetzt überall, man soll (teilweise heißt es ja sogar wöchentlich) regelmäßig Wasser wechseln?
Ich verstehe dies, wenn ein AQ nicht gut läuft, wenn es stark verdreckt ist, wenn gefährliche Wasserwerte gemessen werden - wobei dies ja wiederum dazu zählt, dass es nicht gut läuft etc
Wenn ich Medikamente gegeben habe und diese durch neues Wasser in ihrer Konzentration verdünne damit sie nicht mehr nachweisbar werden etc usw etc - dies alles ist für mich sinnvoll, aber warum wechsel ich ständig das gut aussehende, von den Wasserwerten optimale Wasser wenn es den Fischen darin gut geht?
Diese Frage kann ich meinem Schwiegervater nicht beantworten, also frage ich euch! Ihr macht es ja auch, aber warum?

Fragende Grüße Steffi
 


Hallo Denise,
danke für deinen link, der ist echt interessant. Ich hoffe, es melden sich noch ein paar Leute dazu. Ich will ja ungern meinem Schwiegervater recht geben, .... :stille:
Gruß Steffi
 
EichisS schrieb:
Warum muß man eigentlich bei einem gut laufenden Aquarium das Wasser wechseln?

Moin Moin,

Ich wechsel nicht das Wasser im AQ sondern immer nur ein Teil davon. Deshalb Teilwasserwechsel. Der Grund: Der Besatz pro Liter ist in einem AQ immer höher als in der Natur. Und damit die Abfälle, die die Fische erzeugen, verdünnt werden, wird ein Teil des Wassers gewechselt.
In einem Fluss oder See fließt auch immer Wasser ab und es kommt neues hinzu aus der Quelle oder durch Regen.
 

elchi07

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Hallo,
EichisS schrieb:
Warum muß man eigentlich...
nichts muß - alles kann.

Es gibt gute Gründe für regelmäßige (Teil-)Wasserwechsel, es gibt aber auch erfolgreiche Altwasseraquaristik. Wobei die Altwasseraquaristik auch nicht ohne TWW auskommt, sondern die Intervalle länger sind. Letztendlich spielen viele Faktoren wie Ausgangswasser, Besatz, Besatzdichte, Bepflanzung, Filtertechnik, Fütterung, etc. eine Rolle für die Wechselmenge und den Wechselintervall.

Viele Grüße
Roman
 

MOOSKUGEL

Moderator
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Moin Steffi,

die wenigsten Becken sind so reichlich bepflanzt, das sie das Endprodukt der Stickstoffkette (Nitrat) komplett verbrauchen.
Ergo sammelt es sich an und wird mit dem Wasserwechsel entfernt.

Wasserwechsel mindern den Keimdruck.

Wasserwechsel führen den Pflanzen neue Nährstoffe zu.

Füllt man verdunstetes Wasser nur nach, wird sich auf Dauer die Wasserhärte verändern.

Mit Wasserwechsel lassen sich natürliche Vorgänge simulieren (Regen, Temperaturabfall), was manche Fische zum Ablaichen bewegt.

Gruss Heiko
 
Hallo zusammen,
vielen Dank für eure Antworten :) .

@Rainer: danke für deinen Beitrag. Ich habe natürlich nicht gemeint, dass ich bei dem Wort Wasserwechsel den Wechsel des gesamten Wassers meinte! Ganz schön kleinlich von dir! Ich meinte natürlich TEILwasserwechsel, aber ich denke, dass das (fast) jeder verstanden hat.
Aber deinen Verweis, dass in einem Fluß/See auch stets neues REGENwasser hinzukommt, hinterfrage ich mal dahingehend, ob du bei deinem TEILwasserwechsel denn auch Regenwasser benutzt und nicht das aus der Leitung? Denn das Hinzufügen von Leitungswasser wäre ja demnach das der Natur am ähnlichsten.....
"der besatz pro Liter ist in einem AQ immer höher als in der Natur" ? - ist das so? wo kann ich mir diese Info herholen, wie hoch der natürliche Besatz meiner (z. Bsp. ) black mollys oder corydoras sterbais ist. Würde mich jetzt persönlich interessieren, da mein Besatz im AQ noch sehr gering ist und ich noch garnicht weiß, ob ich den noch aufstocke.

@Roman: auch dir danke ich für deinen Beitrag! Ich weiß natürlich, dass man nix MUSS sondern dass der Ratschlag zum regelmäßigen Teilwasserwechsel immer nur Empfehlungen sind, die jeder selbst umsetzen muß - ob er/sie es macht oder nicht, ist seine/ihre Sache. Aber wie kann ich anhand der von dir genannten Faktoren "errechnen" wie oft ich mein Wasser zum Teil wechseln muß? Das ist wahrscheinlich garnicht möglich da bei jedem von uns zu Hause bzw im AQ andere Faktoren zugrunde gelegt werden müssen.
Aber dennoch finde ich den Unterschied sehr krass, dass mein Schwiegervater 3-4 mal pro Jahr einen Teilwasserwechsel durchgeführt hat - ohne tierische Ausfälle - und hier im Forum verschiedene Mitglieder wöchentlich Wasser wechseln.

@Heiko: deine genannten Argumente sind alle für mich einleuchtend und nachvollziehbar. Ich werde mal in mich gehen und darüber nachdenken, denn auf der anderen Seite sehe ich in jedem Teilwasserwechsel auch stets einen großen Streßfaktor für den Besatz. Da der "Wohnraum" durch das Ablassen des WAssers und ggf noch durch Herumgärtnern extrem eingeschränkt wird, müssen sich die Tiere doch alle zusammenengen.

Naja, ich schau mal, ob es noch andere Meinungen hier im Forum gibt, die genauso denken wie mein Schwiegervater....

Gruß Steffi
 


Huhu

EichisS schrieb:
Da der "Wohnraum" durch das Ablassen des WAssers und ggf noch durch Herumgärtnern extrem eingeschränkt wird, müssen sich die Tiere doch alle zusammenengen.

Naja, das Ablassen des Wassers kommt ja in der Natur in diversen Lebensräumen auch vor, denke an die Trockenzeit. Einige Fische haben Eier die komplettes Austrocknen der Umgebung überleben. Andere Fische benötigen sinkende Wasserspiegel als Signal zur Paarung zu schreiten etc. Ich würde das nicht allzusehr verallgemeinern an deiner Stelle. Zumal 'Stress' ja auch nicht vollkommen unnatürlich ist. Die Quellen sind im Aquarium andere, zugegeben, aber dafür wird wahrscheinlich keiner deiner Corys von 'nem Vogel aus dem Schwarm geholt. ;)

Mit der Besatzdichte: Das kommt natürlich auf die Grenzen die du ziehst an. Allerdings ist tatsächlich davon auszugehen das in der Natur bis auf eben oben erwähnte austrocknende Pfützen oder ähnliches jeder Fisch mehr potentielles Wasservolumen zur Verfügung hat. SO dicht besiedelt sind auch brasilianische Flüsse nicht, das einer deiner Sterbai nicht mehr als die... 50l? 100l? 200l? Wasser für sich hat die du oder die anderen ihnen im Aquarium bieten. Fraglich, ob man das in diesem Umfang muß.

Ja, die meisten hier werden ihr Wasser öfter (teil-) wechseln als 3-4 mal im Jahr, die meisten werden das allerdings ihrem Besatz angepasst haben. Mit meinem Besatz könnte ich mir das nicht erlauben denke ich. Stress für die Fische? Naja, meine Neons untersuchen meistens frech den Schlauch, daher gehe ich davon aus, meinen Fischen ist der Wasserwechsel lieber als Altwasserexperimente meinerseits. :) Unterschiedliche Wege führen nach Rom, vielleicht versuche ich mich ja auch mal an einem stabil laufenden Aquarium ohne WW.

Btw. ist die Besatzdichte deiner Black Mollys unendlich viel höher als in freier Natur, das ist eine Zuchtform und sollte so nicht wirklich in Flüssen rumschwimmen. :)
 

elchi07

Moderator
Teammitglied
Hallo Steffi,
EichisS schrieb:
Aber wie kann ich anhand der von dir genannten Faktoren "errechnen" wie oft ich mein Wasser zum Teil wechseln muß? Das ist wahrscheinlich garnicht möglich da bei jedem von uns zu Hause bzw im AQ andere Faktoren zugrunde gelegt werden müssen.
So ist das. Ohne genaue Informationen zu Beckengröße, Besatz, Besatzdichte, Bepflanzung usw. kann man schwer was sagen. Errechnen schon gar nicht, da ein AQ sich nicht an starre Regeln hält. Was bei einem gut klappt, kann bei einem anderen mit fast gleichen Verhältnissen daneben gehen. Erfolgreiche Aquaristik hat viel mit Erfahrung und einem daraus gewachsenen "Bauchgefühl" zu tun.

EichisS schrieb:
Aber dennoch finde ich den Unterschied sehr krass, dass mein Schwiegervater 3-4 mal pro Jahr einen Teilwasserwechsel durchgeführt hat - ohne tierische Ausfälle - und hier im Forum verschiedene Mitglieder wöchentlich Wasser wechseln.
Aber eins ist jedenfalls sicher: Öftere Wasserwechsel sind auf jeden Fall sicherer für ein stabiles AQ und schaden in der Regel nicht - der Nutzen überwiegt hier klar. "Richtige Altwasseraquaristik" betreiben eher erfahrene Aquarianer, die wissen, was sie tun. Andere vermeintliche "Altwasseraquarianer" sind oftmals einfach zu faul oder zu geizig. Und trotzdem laufen solche Becken oft besser als die Becken von den Leuten, die ständig am bzw. im AQ herumfummeln.

Viele Grüße
Roman
 
Warum eigentlich Wasser wechseln?
tja... warum eigentlich? Bei mir macht es fast keinen Unterschied ob ich wöchentlich oder alle 3 Wochen mal was austausche. Es ist die kleine, innere Stimme, die mir befielt es zu machen und es verbietet zu testen, wie lange es ohne ginge. Ich weiß also gar nicht wie viel Last zB der Filter tragen kann, wie viel durch Pflanzen gepuffert wird und ob die Becken so seicht/stramm besetzt sind wie es mir vorkommt.
 
Hallo Steffi,

eine berechtigte und gute Frage.
Sie ist zwar ist nicht unbedingt neu und taucht so alle Jahre wieder auf, aber sei es drum....

EichisS schrieb:
Hallo zusammen,
ich habe mal eine generelle Frage zum Thema Wasserwechsel! Warum muß man eigentlich bei einem gut laufenden Aquarium das Wasser wechseln? Ich habe eine Dauerdiskussion zu Hause mit meinem allwissenden Schwiegervater, der aus Altersgründen nach zig Jahrzehnten sein Aquaristik-Hobby aufgegeben hat. Für ihn galt immer ca 3-4 Wasserwechsel pro Jahr! Ein AQ sei ein eingefahrenes Biotop an dem man nicht herumwerkel soll. Er hat immer nur wenn der Pflanzenwuchs zu enorm wurde gegärtnert und dabei Wasser gewechselt.

Da stellen sich erste Fragen:
Was ist ein gut laufendes Aquarium? Was habe ich mir darunter vorzustellen?
Wenn man nur alle Vierteljahre im Aquarium den Pflanzenbestand reduzieren muss, ist das für mich kein Zeichen eines gut laufenden Aquariums.

Und um mal mit einem ganz komischen Vorurteil aufzuräumen:
Ein Aquarium ist kein eingefahrenes Biotop!

Aquarien sind sehr endliche Systeme, die von den Glasscheiben eingegrenzt werden.
Wenn man von Biotopen spricht meint man eventuell Seen, Tümpel, Flüsse oder Pfützen die aber immer noch mit der Umwelt in Kontakt sind.
Und dort findet Wasseraustausch statt und zwar täglich und in Mengen, die wir in einem Aquarium überhaupt nicht nachbilden können.

Schaut man sich Aquaristik vereinfacht an, dann wird dem System Aquarium jeden Tag etwas zugeführt.
Das kann sich auf Futter begrenzen oder aber auch Dünger umschliessen.

Irgendwohin müssen ja nun all diese Stoffe.
Einen Teil setzen die Fische/Tiere in Wachstum um.
Einen anderen Teil werden Pflanzen verwerten.
Tatsächlich sind dies aber nur Teilmengen die da verbraucht werden.

Auch werden Stoffe im System Aquarium "umgebaut", sei es durch Bakterien, Fische, Pflanzen oder anderes vorhandenes Getier.
Ein Teil der Stoffe landet auch im Filter bzw. seinen Filtermaterialien.

Auf der anderen Seite steht dann der Austrag an Stoffen aus dem System.
Ganz grob könnte man dies einteilen in:
Pflanzenentnahme
Mulm absaugen
Wasserwechsel
Filter reinigen

Warum heißt es denn jetzt überall, man soll (teilweise heißt es ja sogar wöchentlich) regelmäßig Wasser wechseln?
Ich verstehe dies, wenn ein AQ nicht gut läuft, wenn es stark verdreckt ist, wenn gefährliche Wasserwerte gemessen werden - wobei dies ja wiederum dazu zählt, dass es nicht gut läuft etc
Wenn ich Medikamente gegeben habe und diese durch neues Wasser in ihrer Konzentration verdünne damit sie nicht mehr nachweisbar werden etc usw etc - dies alles ist für mich sinnvoll, aber warum wechsel ich ständig das gut aussehende, von den Wasserwerten optimale Wasser wenn es den Fischen darin gut geht?
Diese Frage kann ich meinem Schwiegervater nicht beantworten, also frage ich euch! Ihr macht es ja auch, aber warum?

Fragende Grüße Steffi

Und nun gibt es eben verschiedene Aquarien.
Es gibt durchaus AQ die in einem guten Verhältnis zwischen Eintrag und Austrag stehen und dem Pfleger das Leben sehr einfach machen.
Es wird Systeme gegen die einen Wasserwechsel einmal im Monat benötigen oder auch erst nach sechs Wochen oder eben auch erst nach 4 Monaten.

Nur um mal beide Enden der Systeme zu skizzieren:
AQ 1: 200 Liter 10 Heterandia formosa, reichlich bepflanzt, gut beleuchtet und gedüngt
AQ 2: 110 Liter 90 Xiphophorus maculatus, ein paar Javafarne, spärlich beleuchtet und nicht gedüngt

Bei dem ersten Becken könnte ich mir gut vorstellen die Wasserwechsel verschieben zu können, beim zweiten AQ sieht das schon anders aus.

Ein anderes Kapitel sind dann noch die Keimdichten in den verschiedenen Aquarien die ebenfalls auf die Tiere einwirken.

Man sollte sich nur von der Vorstellung lösen, dass ein AQ ein "Biotop" sei.
Das System ist endlich und hat gar nix mit Natur zu tun.
Schreitet der Pfleger nicht zuweilen ein, fährt das Ding vor die Wand.
Nur die Pflegeintervalle können variieren, aber ohne geht es eben nicht.

Beste Grüße
Martin
 
Moin,

bei mir sind es ganz direkte Beobachtungen, die mich den wöchetlichen Wechsel möglichst einhalten lassen. Denn wenn ich mal aus irgendeinem Grund das Intervall von einer auf zwei Wochen herausziehe, habe ich unweigerlich die Scheiben voller Kieselalgen, was mir deutlich zeigt, daß sich die Abfallstoffe stark ansammeln.

Es kommt natürlich immer drauf an, welche Fischarten man pflegt. Da meine fast durchgängig aus fliessenden Gewässern stammen, ist es für mich auch eine eher unangenehme Vorstellung, sie in ihrer (sorry) "eigenen Scheisse" sitzen zu lassen. Eine meiner Grundelarten, die Rhinogobius zhoui, quittieren zu wenig Wasserwechsel mit Unfruchtbarkeit der Männchen.

Wie man sieht, haben Wasserwechsel durchaus ihre Berechtigung.
 


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