Das, was in der Natur ganz normal ist, ist nicht immer das, was wir in der privaten Tierhaltung haben wollen, als schön empfinden oder für ethisch vertretbar halten. Natur ist nicht immer schön, ist nicht friedlich und schon gar nicht "ideal" oder auch nur "im Gleichgewicht", jedenfalls nicht, wenn man das einzelnenTier in den Blick nimmt. Einzelne Tiere sind für die Natur absolut verzichtbar, da gibt's Gleichgewicht nur für teilweise sehr lange Zeiträume im Zusammenspiel der Arten mit ihren Lebensräumen.
Wollten wir Panzwelse naturnah halten, müssten wir in unseren Aquarien über ein paar Monate das Wasser allmählich ablassen, die Temperatur erhöhen, massiv füttern, das Becken verschlammen lassen, einen Großteil der Bewohner ersticken oder austrocknen lassen, um dann wieder aufzugießen. Und wie die dann ablaichen würden!
Weil wir sie nur zum Spaß halten, finde ich es nicht okay, wenn die Tiere keine Möglichkeit haben, auch wieder zur Ruhe zu kommen, aber okay, wenn sie etwas Stress bekommen, denn ohne jeglichen Stress - oder sollte man sagen "Anregung" oder "Anreize" - werden sie träge, depressiv und verkümmern (m.M.n. bei vielen Kampffischen der Fall).
Immer wenn es heißt: "Das ist in der Natur ganz normal", um grenzwertige Tierhaltung zu rechtfertigen, kann man antworten: Ja, da ist es aber auch normal, dass mehr als die Hälfte / die Mehrheit nicht überlebt. Und ich möchte nicht, dass die mir anvertrauten Tiere zu dieser Hälfte / Mehrheit gehören, weil sich sie nur zu meinem Vergnügen halte und mich daher in der Verantwortung sehe, ihnen ein möglichst gutes Leben zu bieten.
Weshalb viele Tiere in menschlicher Obhut auch gesünder leben und älter werden als in der Natur.