knackig sauber

bierteufel

Mitglied
Hallo Leute

Ich oute mich hier mal als Nixwisser und Keinplanhaber!

Im Bereich der gezielten und bewussten Zucht fällt der Ausdruck aber eigentlich am Häufigsten: "die Fische brauchen es sehr sauber / knackig sauber".

Was meint man mit dieser Aussage:
Heisst dass man muss auf extrem geringe Keimbelastung achten, oder zielt das eher auf extrem geringe Schadstoffbelastung ab, also Ammonium/Nitrit.

Muss ich mir das so vorstellen, daß ich bei diesen Fischen besser einen Glaskasten ohne Bodengrund nehme, und quasi 5-10 Minuten nach der Fütterung die Futterreste absauge und gleich frisches Wasser hinzugebe?

Muss man vorallem auf die "Sichtbare Sauberkeit" achten oder zielt es eher auf die Keimkonzentration ab?

Heisst im Umkehrschluß "Knackig Sauber" daß die Aufzucht in Becken mit Bodengrund/Mulm kaum machbar ist, oder sind dort einfach die Ergebnisse nur z.B. 10% von der möglichen Ausbeute? Wären die 10% nicht "robustere" Tiere, da bereits in jüngster Zeit mit einem ausgewogeneren und an Ihre Abwehrkräfte anspruchsvollerem Microorganissmusmillieu konfrontiert wurden.
Es ist mir bewusst, das bei gewerblicher Nachzucht 90% vermeidbarer Ausfall vermieden werden muß, da die Fische sonst für mich Ottonormalfischverbraucher nicht mehr bezahlbar wären.

Also kurz und knapp:
Was meinen erfolgreiche Zuechter, wenn sie sagen: "Der Fisch braucht es knackig sauber."

Gruß Arne
 


Mudskipper

Mitglied
bierteufel schrieb:
Muss ich mir das so vorstellen, daß ich bei diesen Fischen besser einen Glaskasten ohne Bodengrund nehme, und quasi 5-10 Minuten nach der Fütterung die Futterreste absauge und gleich frisches Wasser hinzugebe?

Hi,

so in etwa kannst Du Dir das vorstellen :wink: .
Es kommt ganz darauf an, was für einen Fisch Du nachziehen willst.Mit Keimen wird der Fisch auch noch genug bei so einer Aufzucht konfrontiert, er wird dadurch nicht zur "Immun-Leiche", wie man oft und gerne sagt - sowas passiert nur bei massivem Medi und UV Einsatz bzw kann passieren. Du musst Dir vorstllen, dass das Wasser in der Natur in den meisten Fällen wesentlich keimärmer als im Aquarium ist, auch wenn es manchmal sehr siffig aussieht.So kann es passieren, das ein Wels, der eigentlich im Matsch lebt im Aquarium sehr hinfällig ist. Er lebt zwar im "Matsch" aber das Wasser um ihn herum ist sehr keimarm.
Und grad so ein Wels wird am Besten sauber gezüchtet, ansonsten wird das einfach nix bzw das Risiko von Ausfällen ist höher.
Aber das ist von Fisch zu Fisch verschieden, da würde ich immer aufr Folgendes achten:
Wo kommt der Fisch genau her, wie ist das Gewässer, wie das >Wasser, wie sehen die Erfahrungswerte anderer Aquarianer aus?
Daraus kann man sich mit etwas Erfahrung brauchbar zusammenbauen, ob der Fisch es jetzt besonders sauber braucht, oder ob er gut in einem "Schlunz-Becken" aufwächst.
Bei Elassoma evergladei bin ich z.B. mit der sauberen Aufzucht total gescheitert, dafür klappte es extensiv in einem filterlosen "Tümpel-Becken" bestens.

Lg Markus
 
Moin,

das passt ja super das Thema:

becken 1:
E. evergaladei, der Mulm türmt sich, das Becken tobt vor Leben. Das geht.

Becken 2:
Schmerlen (Yunnanilus cruciatus) Da ging nix mehr, dafür lebte der Boden im Becken (Muschelkrebse, Tubifex, Planarien, Schnecken, Kampfkrebse) Das habe ich jetzt einmal desinfiziert und hoffe auf Besserung.
Das ist aber mehr die grobe Sauberkeit.

Becken 3 (und jetzt kommt's)
Da ist ein Paar Betta macrostoma drin. Die laichen auch regelmäßig, aber nach drei Tagen schluckt der Kerl. Meine Denkweise: Dem verpilzen die Eier im Maul und dann weg damit. Also habe ich gestern einen UV Klärer angeschlossen, Bactopur ins Becken und werde das Wechselwasser aus der Regentonne wegen der Keimbelastung vor dem Wechseln abkochen. Wäre doch gelacht.

Von Becken 1 bis Becken 3 ist da eine zunehmende "Sterilität" im Becken. Was nötig ist, entscheidet der Fisch. Als Faustregel kann gelten, je saurer die Herkunftsgebiete umso keimärmer sollte das Wasser sein.
 
Hi,
fluethke schrieb:
Was nötig ist, entscheidet der Fisch.
korrekt. Und da liegt der riesen Unterschied zwischen einem "Aquarium mit Fischen drin" und "einem Fisch mit Aquarium drumherum". Man guckt was der Fisch braucht und richte das Becken entsprechend her (s.o.). Die Anforderungen des Fisches geben mir die maximale gestaltung vor. Heisst: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. "Knackig sauber" heisst demnach für mich: übersichtliches becken, dass den Fischen angemessen dekoriert ist, aber auch nicht mehr. Je nach Fisch wird entsprechend Wasser gewechselt und der Boden (kein Substrat oder ganz dünn Sand) sauber gehalten. 1-2x wöchentlich werden abgefallene Pflanzenblätter und (wenn vorhanden) labberiges laub entfernt/ausgetauscht. Futterreste absaugen oder aber durch Schnecken (deren Menge streng kontrolliert wird) beseitigt. Die Filterung muss nicht übertireben sein, aber in solchen Becken setze ich auf kleine Schnellfilter (was nicht zwingend Strömung bedeuten muss!) mit sehr feinem Filterschwamm, der bei fast jedem WW gründlich gereinigt wird. Sofern sie die Vermehrung der Fische nicht beeinträchtigen können noch ein paar Zwerggarnelen dazu. Die sorgen für einen zusätzlichen Transport von mulm und Futterresten zum Feinfilter. So kann man auch "ordentlich" Füttern, ohne, dass nennenswert was liegen bleibt.
 


Oben