Ich hatte die Diskussion ja schon mehrfach, aber da es sich hier zum Teil um sehr spezielle Tiere handelt noch einmal zusammen gefasst (das Folgende sind Erfahrungswerte von Menschen die am Amazonas Jagen/von dort Exportieren, sowie langjährige Großbeckenbetreiber hier und von amerikanischen Foren, sowie meine eigenen Erfahrungen):
Ob und wann ein Fisch aus einem Becken heraus wächst hängt meiner Ansicht und Erfahrung nach von vielen Faktoren ab:
Faktor 1: Die potentielle und erwartbare Endgröße.
Ist natürlich ziemlich offensichtlich, ich kann keinen Brachyplatystoma Filamentosum in einem 250 Liter Baumarktbecken halten.
Aber: Rekordangaben aus der Wildnis können dabei aus unterschiedlichsten Gründen irreführend sein!!!
Grund 1: Die normale Genverteilung, oder anders ausgedrückt: Rekordriesen sind rekordselten. Jeder trifft täglich erwachsene Männer zwischen 170 und 180cm Körpermaß, seltener zwischen 180 und 190 cm, nochmal deutlich seltener zwischen 190 und 200cm und Personen erkennbare über 200cm merkt man sich schon. Menschen über 210cm trifft man evtl. sein Leben lang keinen Einzigen. So ist es auch bei Fischen, nur dass die noch deutlich mehr abweichen als der Homo Sapiens Sapiens. Selbst Koizüchter in Japan, die viel mehr in die Haltung investieren als hier denkbar wäre, haben immer mal wieder Tiere, die zwar die perfekten Farben haben, aber bei 60cm stehen bleiben. Auch nach 40 Jahren. Ein Superkoi braucht aber beides, perfekte Farben und eine enorme Größe. Pech gehabt. Bei einer Fischpopulation wie im Amazonas wird immer mal wieder ein enorm gewaltiger Vertreter dabei sein, dass dieses Genwunder aber im eigenen Aquarium landet, ist aufgrund der vergleichsweisen Auswahl im Promillbereich fast auszuschließen. Mein Liniendornwels ist z.B. schon gut zehn Jahre alt und seit 3 Jahren trotz Beckenvergrößerung und enormer Nahrungsaufnahme nicht mehr gewachsen, ich wette mit dir, der sieht die 30cm niemals.
Ich hatte aber auch mal das Vergnügen einen Gibbiceps mit knapp 70cm zu sehen und du kannst sicher sein, das wird mir kein zweites Mal widerfahren. Allerdings bringt so ein Gibbiceps dann auch immer noch keine besondere Masse mit sich, was in puncto Nahrungsmenge und Bewegung auch eine Rolle spielt. Problem hier: Wissen kann ich es nicht, aber ich rechne halt auch nicht damit vom Blitz getroffen zu werden.
Grund 2: Standortvarianten. Weder die Fachliteratur noch das Internet können alle abweichenden Standortvarianten erfassen, bei dem erwähnten B. Filamentosum gibt es z.B. Stämme, die bleiben bei unter einem Meter, nur in sehr sehr wenigen Flüssen überschreiten sie die 2 Meter und wiederum nur die extremsten erreichen dann wieder das Rekordmaß. Problem: Wenn ich das Fanggebiet weiß, kann ich hier zwar eine Einschätzung vornehmen, eine Garantie habe ich aber nicht.
Faktor 2: Bewegungsdrang.
Auch recht offensichtlich, ein Haiwels (P. Hypothalamus) und ein schwarzer Dornwels spielen zwar in puncto Größe/Gewicht in einer ähnlichen Liga, sind aber in der Haltung ganz unterschiedlich einzustufen, obwohl es beides Welse sind. P. Niger ist eher ruhig, zwar etwas munterer als meine Schneckendornwelse, aber nicht annähernd mit dem Pangasius vergleichbar, der lässt sich nur im Zoo pflegen und gehört aus sämtlichen Endverbrauchergeschäften verbannt. Meine Schneckendornwelse bewegen sich de facto nur bei der Nahrungsaufnahme, Nachts kommen sie zwar raus und lungern rum, aber auch da wirst du so gut wie keine Bewegung über 5 Sekunden hinaus feststellen können. Sie haben aber im Gegensatz zum Gibbiceps dann ausgewachsen in der Tat eine enorme Masse, deswegen sagte ich ja das sie die einzigen sind, die rauswachsen KÖNNEN, wenn meine denn zu den wenigen gehören, die über 50cm erreichen. Selbst dann ist das aber kein Problem weil.....
Faktor 3: Wachstumstempo.
Der schon erwähnte Pangasius ist nicht umsonst der Fisch der Wahl im Fressdiscounter, kaum ein Fisch wächst schneller bei ausreichender Fütterung - und das fast unabhängig von der Haltungsqualität. Anders sieht es bei M. Uranoscopus (Schneckendornwels) aus, im Gegensatz zu seinem Bruder dem erwähnten schwarzen Dornwels, wächst der recht gemütlich, selbst wenn sie die 50cm erreichen oder gar knacken würden, bleiben da allemal 10 Jahre hin und bis dato möchte ich mich ohnehin beckentechnisch noch einmal deutlich vergrößern.
Die beiden Panaque (die ja leider ohnehin vorher verstarben!) sind hier ein noch viel drastischeres Beispiel. Du wirst in Deutschland kein Exemplar über ca. 35 cm finden, dass nicht bereits mit annähernd dieser Größe oder eben darüber importiert wurde. Warum? Weil die Art noch nicht lange genug in Deutschland gehalten wird. Panaque werden aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich über 100 Jahre alt und wachsen ab 30cm unfassbar langsam. Deswegen zahlt man für 40cm Panaque auch viele hundert Euro, die Tiere sind steinalt und immer aus dem Amazonas, ich stand selbst vor solchen Trümmern. Dabei sind aber auch hier je nach Standortvariante sogar noch mehr als 60cm drin, im alten Monsterfishkeeper-Board aus den Staaten war ein L90 abgebildet, der maß knapp 90cm. Dieses Tier war aber eben auch unter Garantier älter als ich je werde! Natürlich kann man unter diesem Aspekt die Haltung an sich kritisieren, aber dann bitte auch bei Kakadus, Schildkröten usw.
Faktor 4: Unerklärliche Wachstumsbegrenzung durch Aquarienhaltung.
Selbst bei Arten die noch beobachtbar schnell genug wachsen, ist es nicht immer der Fall, dass sie in der Aquaristik ihr maximales Endmaß überhaupt erreichen können. Panaque wachsen in Haltung z.B. nochmal einen Tick schlechter als ohnehin schon in der Natur. Warum? Weiß Niemand. Serrasalmus Rhombeus die echt mal die 40cm erreicht haben, sind auch praktisch immer so gefangen worden und das obwohl z.B. die Japaner wirklich alles daran setzen, die so riesig zu bekommen wie möglich. Mittlerweile weiß man z.B., dass Sägesalmler durch Hormone die sie im Wasser abgeben ihr Wachstum begrenzen und man dem nur durch extrem häufiges Wasserwechseln beikommt. (Was leider in Japan ausgenutzt wird um große Piranhas in zu kleinen Becken aufzuziehen) Aber bei vielen Arten scheint es so, als würden sie auch im Zoo einfach nie ihr reales Endmaß erzielen, genauso wie es eben Arten gibt, wo man keine Nachzuchten hin bekommt. (wie eben auch z.B. Panaque) Das mag dann genau wie bei der Zucht an Ph-Schwankungen, Temperaturschwankungen, Leitwertschwankungen, Strömung oder eben dem Keimdruck liegen. Auch hier lässt sich einwerfen: Wenn man die Natur nicht zu 100% kopieren kann - warum dann nicht lassen? Gut dann möchte ich aber auch die Neonhalter sehen, die eine Zucht bei komplett vollentsalztem Wasser ermöglichen und ohnehin wird die Fischauswahl dann sehr, sehr dünn.... Immerhin, meine Karauschen im Gartenteich dürfte ich behalten
