Der "Überbesatz" und sein "Kind" :)

Tja das ist so ein Thema über das sich die Geister spalten und über das ich immer wieder gerne mit meinen Bekannten streite. Da ist einerseits das 300 Liter Becken, das aus "optischen Gründen" aber nur zu 70% mit Wasser gefüllt ist und in dem sich jede Menge Wurzeln befinden und alles an Fisch, was man sich so denken kann. Dornwelse, irgendwelche Aale, denen ich mich nicht mal nähern will, Barsche, Feuerschwänze und ich weiss nicht was - ein Gewusel und Gewühle. Komme ich dann mit "das ist zu voll, orientier dich mal an 1 cm Fisch pro Liter" krieg ich gleich nen Schlag in Nacken.
Das würde man schon immer so machen, die leben da gut, alle glücklich, normale Rangeleien und ab und an würde mal einer gefressen, wie in der Natur. oO

Einerseits sehe ich da den Stress für die Tiere aber andererseits kann ich es nicht abschlagen, dass ein Überbestz wie dieser halt funktionieren kann wenn man das entsprechende Fingerspitzengefühl hat (richtiger WW, gute Einrichtung, leistungsfähige Filter), so dass sogar Barsche Fischbabies dort groß bekommen...

So ein bisschen sehe ich das auch so - man erkennt meiner Meinung nach doch sehr gut, wie sich ein Fisch fühlt. An seiner Färbung, seinem Verhalten, seiner Freude an der Nahrungsaufnahme ;), seiner Schwimmweise und nicht zuletzt an der Anfälligkeit für Krankheiten. "Nach Papier" ist mein 112 Liter Becken auch überbesetzt aber ich halte mir auch die Möglichkeit offen bei Mord und Totschlag in dem Becken den Besatz aufzuteilen.

Ich glaube, Überbesatz ist subjektiv. Ein Anfänger mit Überbesatz hat ein Problem. Aber ein "Profi" mit entsprechendem Auge und Händchen kriegt das schon gemanaged.

Viel Text,
xter
 


Mudskipper

Mitglied
Stinnes schrieb:
Hallo,

jedes Becken was gefiltert werden muss ist überbesetzt. Warum läuft sonst der Filter? :? 8)

Moin,

es gibt stark besetzte Becken, die hervorragend ohne Filter, nur gerührt laufen - und jetzt :wink: ?
Leider ist Aquaristik kein lineares Hobby, man könnte aber auch Gott sei Dank sagen :) .

Lg Markus
 
Hallo,

wenn in einem 80er Becken 2 Pärchen Zwergfadenfadenfische (nur als Beispiel, es gibt deren sicherlich mehrere) durch Revierstreitigkeiten und heftige Balz sich stets gegenseitig zu Toder hetzen bis nur noch ein Fisch übrig bleibt, dann ist dieses Aquarium mit 4 Fischen bereits überbesetzt!

Das gleiche Aquarium kann aber durch Vergesellschaftung verträglicher Arten miteinander oder als reines Artenaquarium auch mit 100 Fischen noch nicht überbesetzt sein.

Gruß Knut
 
Moin moin,

Stinnes schrieb:
Hallo,

jedes Becken was gefiltert werden muss ist überbesetzt. Warum läuft sonst der Filter? :? 8)

andererseits werden aber nicht automatisch gleich alle Fische gehimmelt wenn der Filter nach längerer Standzeit des AQs mal ausfällt ;-)
Kann also auch kein Indikator für Überbesatz sein.

Ich glaube auch nicht, dass man eine pauschale Formel für Überbesatz definieren kann, da dieser eben abhängig ist von Art und Verhalten der Fische.

Gruss,
Britta
 

Torsten81

Mitglied
Hallo zusammen

Stinnes schrieb:
Hallo,

jedes Becken was gefiltert werden muss ist überbesetzt. Warum läuft sonst der Filter? :? 8)

Da muß ich jetzt mal kurz widersprechen, bei mir läuft der Filter als Sicherheitsreserve mit.
Ich bin überzeugt das Filter nicht unbedingt notwendig sind, wenn die Beckenbiologie sich mal eingespielt hat.
Ich habe bei mir derzeit ein 200er, ein112er , ein 54er und ein 12er ohne Filter am "laufen".
Dazu kam´s eigentlich nur durch Zufall da ich meine SW-Becken alle abbauen möchte.
Berufsbedingt habe ich allerdings keine Zeit mich weiter um diese Becken zu kümmern und somit sind sie, seit einem halben Jahr etwa, sich selbst überlassen.
Die einzige externe Versorgung ist mittlerweile nur noch das Licht über den Becken. Auch die Fütterung wurde eingestellt.
In diesen Becken waren ursprünglich jede Menge blonde Guppys, an denen ich mich versucht hatte, und Red-Fire Zwerggarnelen, sowie im 112er ein paar Keilfleckbärblinge.
Da ich diese Becken nur ca. 1x Monat versorgen kann, war ich darauf gefasst das diese schlechte Situation sich auch verherrend auf die Becken auswirkt.
Ich habe jede Menge Fischleichen und stinkendes Wasser erwartet, ein Horrorszenario wie man sich das eben vorstellt.

Pustekuchen.

Der Bestand in den Guppybecken hat sich mittlerweile zwar stark dezimiert aber die Becken an sich, sind noch stabil (laut Wasserwerten) und es kommen nach wie vor immer wieder Jungtiere auf.
Auch bei den Garnelen hat sich dies so eingependelt.
Diese Becken sind stark bepflanzt, bzw. es wuchert unkontrolliert.
Dies ist meiner Meinung nach der Grund warum diese Becken noch funktionieren.
Ich denke wenn ich gelegentlich noch etwas zugefüttert hätte, wäre der Guppybestand heute noch recht hoch.
Da dies nicht der Fall ist, hat sich in diesen Becken nun alles auf einen natürlichen Kreislauf eingependelt.

Etwas übberrascht haben mich meine Keilfleckbarben.
In ihrem Becken finden sich nur Wurzeln und Sand, dennoch leben sie munter vor sich hin.

Worauf will ich hinaus?
Ich formuliere den Ansatz von Stinnes neu:
Becken die nicht ohne Filter auskommen, sind überbesetzt!

Mfg Torsten, der sich jetzt auf den langen Weg zur Arbeit macht :?

PS:Ich bin gespannt was mich am Samstag erwartet, wenn ich wieder hier reinschauen kann.....
 
Die Erkennung vermeindliches Überbesatzes ist in Foren zu einem unausgeschriebenem Wettrennen verkommen. Man schaue sich in den einschlägigen Foren mal um. Fast jedes Aquarium wird bei entsprechenden Fragen des Überbesatzes bezichtigt, fast immer ohne Sinn und Verstand.
In meinen Aufgen vielfach tumbe Wichtigtuerei und nicht mehr.

Hier ist m.E. tatsächlich ein Umdenken erforderlich und dazu bedarf es tatsächlich einer gewissen Wortanalyse.

Überbesatz im eigentlichen Sinne gibt es nur extrem selten. Überbesatz ist nämlich die Menge an Fisch, die maximal in einem Aquarium zu halten ist ohne das es zu Problemen mit dem Wasser kommt oder die Fische sich entweder todschlagen oder permanent welche umfallen.

Die Aufzuchtbecken zeigen was möglich ist und den Fischen ist es grundsätzlich egal ob der Aquarianer sein Aquarium als Aufzuchtbecken bezeichnet oder Wohnzimmeraquarium. Daher gelten für Aufzuchtaquarien keine anderen Maßstäbe. Die unterliegen den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie andere Becken auch. Es sind die gleichen Fische und es ist die gleiche Mikrobiologie/Chemie.

Wohl aber gibt es ungünstige Besatz. Das könnte im einfachsten Falle der kleine Fisch zusammen mit dem großen Räuber sein. Es kann der ruheliebende Fisch zusammen mit Hektikern sein und so weiter. Es kann der freischwimmende Fisch im total verkrauteten Aquarium sein oder kühleliebende Arten zusammen mit wärmeliebenden. Dabei spielt die Fischmenge bezogen auf das Aquarium keine Rolle, überhaupt keine.

Deshalb kommt m.E. "zuviel Fische" im Aquarium tatsächlich nur selten vor.

Was anderes ist es, wenn Leute ihre persönlichen Vorstellungen von einem "harmonischem" Aquarium einbringen und danach urteilen. Sie können solche Vorstellungen für sich gerne haben, aber bei der Feststellungen von vermeindlichem Überbesatz haben subjetive Schönheitsideale nichts zu suchen und gehören deshalb auch nicht eingeworfen. Interessiert gar nicht was was wer schön findet, ist völlig irrelevant.
 


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