Hallo Bianca,
Das Einfahren eines Aquariums ist individuell je nach Gegebenheiten etwas unterschiedlich - das Prinzip ist allerdings überall gleich.
Aus Abfall und Eiweisstoffen wird durch Bakterien im Filter und im Bodengrund Ammoniak bzw. Ammonium umgewandelt. Diese Bakterien haben eine Vermehrungsrate von etwa 1/2 Stunde - das Heisst die vermehren sich derart rasch, dass das in jedem Aquarium und in jedem Gewässer bestens funktioniert. Es entsteht eine meist kleine Spitze von Ammonium/Ammoniak - da nur Ammoniak gefährlich ist und dieser in größeren Mengen erst bei höherem pH-Wert vorliegt, ist Ammoniak meist kein Problem. Ausserdem ist der Wert abhängig, wieviel "Mist" im Aquarium anfällt - ist es recht wenig, dann entsteht eine kleine Spitze - ist es sehr viel, dann kann der Ammoniakwert auch so hoch werden, dass er die Bakterien selber hemmt - über etwa 0,5 mg/l Ammoniak (nicht Ammonium) muss man dann sogar in der Einlaufphase Wasser wechseln.
Diese meist kleine und unbedeutende Ammoniakspitze entsteht nur dadurch, dass die Bakterien, die den Ammoniak zu Nitrit weiterumbauen sich etwas langsamer vermehren. Bis also genug Bakterien da sind, vergehen etwa 3 Tage wo Ammoniak ansteigt - dann sind die Bakterien, welche Ammoniak in Nitrit umbauen in ausreichender Anzahl da und Ammoniak nimmt schnell ab. Diese Ammoniakspitze wird sehr leicht übersehen, weil sie meist nicht sehr hoch ist und nur kurz auftritt.
Dann kommen wir zu den Langsamläufern in der Nitrifikation - welche dich besonders betreffen, weil sie dir Fragen aufwarfen. Die Bakterien welche Nitrit in Nitrat umbauen, die vermehren sich sehr langsam - eine Teilungsrate von etwa 16 Stunden (die ersten Bakterien in der Kette teilen sich in 1/2 Stunde!) bewirkt, dass die erforderliche Menge erst nach etlichen Tagen angesiedelt und vermehrt sind. In der Zwischnzeit steigt Nitrit weiter an - allerdings nur in dem Ausmass, was an Abfall anfällt - in einem sehr reinem Aquarium sehr wenig - bei viel Abfall kann auch schon einmal ein Nitritwert von über 10 mg/l entstehen (da sollte man wieder Wasser wechseln, weil der hohe Nitritwert - eigentlich die zugehörige salpetrige Säure - die Bakterien wieder selber hemmt).
Nirit ist deswegen auch viel gefährlicher wie Ammonium/Ammoniak, weil es unabhängig vom pH-Wert voll giftig für die Lebewesen im Aquarium ist.
Wenn nun recht wenig Abfall anfällt, dann kann der Nitritwert auch schon einmal lediglich auf 0,5 mg/l oder 1 mg/l steigen und manchmal auch innerhalb von wenigen Stunden wieder abfallen. So eine Nitritspitze wird sehr leicht übersehen und doch wird dann bereits Nitrit in Nitrat umgebaut und Nitrat steigt an.
Wenn also Nitrit nicht nachweisbar ist und Nitrat deutlich ansteigt wie bei dir, dann ist die Nitritspitze überwunden. Sie war nur sehr klein - und da ist wieder wichtig: die Bakterien stellen sich auf den Anfall von "Futter" (Abfällen) ein und können starke Sprünge nur schlcht ausgleichen. Also gerade wenn man nur eine ganz wuzikleine Nitritspitze hatte, später auch nur langsam mit Besatz beginnen und Nitrit wieder messen, weil dann ein weiterer Anstieg möglich ist.
Man kann oft lesen, dass man ja nur einfach abwartet und Wasser wechselt und gut ist - man braucht nie was messen - hat man vor 30 Jahren auch nicht anders gemacht. Ja - das kann man auch. Man kann aber auch vorbeugen und agieren anstatt zu reagieren.
Ja zum Nitrit nochmals: Nitrit entsteht im eingefahrenem Aquarium immer wieder. Da die Filterwirkung derart effizient ist und wenn kein totaler Überbesatz vorliegt, dann steigt Nitrit auch bei sehr intensiver Fütterung (ja Überfütterung) nie über 0,15 mg/l an. Es ist mir auch durch bewusste Maßnahmen nicht gelungen den Nitritwert höher zu treiben (eingefahrenes Aquarium).
Insofern ist Nitrit auch schon ab 0,3 mg/l sehr gefährlich - nämlich in der Richtung, dass es im Aquarium nicht entstehen darf ! Auch wenn bei solchen Werten "lediglich" Jungfische sterben und bei anderen Fischen wohl Langzeitschäden auftreten, weist ein Nitritwert von 0,3 mg/l darauf hin, dass im Aquarium was ganz schief läuft und sehr rasch reagiert werden sollte - denn in 3 Stunden kann es schon 1 mg/l sein !
So ist der Nitritwert auch im laufenden Aquarium wichtig - weil er zulässt, Probleme vorauszusehen und nicht erst, wenn die Fische japsen oder sterben. So sind auch manche andere Werte des Wassers "normalerweise" uninteressant - nur wenn mans vorher gemessen hätte, wären die Fischis nicht zu Schaden gekommen.
mfG Anton Gabriel
bitte gerne weiter fragen