Häufung rätselhafter Todesfälle

Hallo,

seit Jahren befand sich mein Aquarium (120 Liter, Süsswasser) in einem sehr stabilen Gleichgewicht, die Pflanzen wuchsen gut, keine Algen, die Fische waren happy.
Die Probleme begannen vor einigen Wochen damit, dass hin und wieder mal ein toter Platy im Becken schwamm. Die übrigen Fischen frasen und schwamen weiter munter umher. Die Kontrolle der Wasserwerte ergab keine Auffälligkeiten (Nitrit Null, Nitrat ganz wenig, PH 7, Härte 25, alles wie immer).
Vorletzte Woche sind dann innerhalb von drei Tagen fast alle Fische gestorben. Äußerlich hat man an den Tieren nichts angesehen, keine Pünktchen, keine abstehenden Kiemen, kein nach-Luft-schnappen. Wasserwerte trotzdem wie immer. Dennoch ist irgendetwas umgekippt: Die Pflanzen mikern seither, lange fadenförmige stinkende Algen ziehen sich durch das Wasser. Den wenigen übriggebliebenen Bewohnern (ein Platy, vier Garnelen, eine Prachtbarbe) scheint es trotzdem gut zu gehen.
Zum Einen interessiert es mich, ob jemand der Foristen eine Idee hat, was meinen Fischen zugestoßen sein könnte.
Ich werde jetzt wohl das Aquarium komplett neu aufsetzen. Daher wäre es wichtig zu wissen, ob ich von dem Inventar (Wurzeln, Steine, Pflanzen) noch was verwenden kann, oder ob die Sachen nun kontaminiert sind, und was machen ich mit den armen Überlebenden.

Viele grüße,
Holger
 


Hallo Holger,
immer ärgerlich, wenn so etwas passiert.
Um dir aber irgendwie helfen zu können, solltest du als erstes einmal ein Foto vom Becken einstellen.
Es werden auch noch Fragen zu Wasserwechsel, Fütterung, Temperatur, ... kommen.
Je mehr Infos du hier reinpackst, desto eher kann hier jemand etwas dazu sagen.
 

fischolli

R.I.P.
Moin,

bei einem so gravierenden Fischsterben in einem lange laufenden Becken passt die Aussage " keine Veränderungen zu vorher" irgendwie nicht. Wenn du am Besatz und Einrichtung nichts geändert hast, nützen einem Fotos und Wasserwerte auch nix.

Wenn dir nicht aus versehen die Futterdoe ins Becken gefallen ist oder irgendjemand was in das Becken gekippt hat, würde ich mal zwei Dinge sofort kontrollieren:

- toter Fisch/Fische, die unbemerkt vor sich hingammeln
- gammelnde Wurzel
- Filter gekippt

Also, Becken absuchen, Einrichtungen rausnehmen und reinigen oder wegschmeissen, Filter gründlich reinigen wären für mich die ersten Sofortmaßnahmen.

Gruß
 
Vielen Dank für die Antworten. Zuerst mal zum Aquarium. Anbei ein Foto vom gegenwärtigen traurigen Zustand. Neuerdings, d.h. seit dem Unfall wuchern die Algen, besonders diese schmierig fadenförmigen auf dem kleinen Bild rechts.
Das Becken hat 120 Liter, ursprünglicher Bestand vier Graskarpfen (ca. 8cm), zwei Prachtbarben (ca. 8cm ), ca. 20 Platis, 4 Garnelen, 5 Barben (weiß nicht genau was für welche, ca. 4cm groß). Fütterung eine Prise Tetramin am Tag, Wasserwechsel 20 Liter pro Woche, mit 5ml Eichenblätterextrakt zur PH Wert Stabilisierung, Temperatur 25°C, ein Innenfilter, den ich alle 4 Wochen mal durchspüle.
Mir ist durchaus klar, dass meine Aussage, dass sich nichts geändert hat, nicht zu den Umständen passt, denn offensichtlich hat sich ja etwas dramatisch geändert. Mir sind zumindest keine bewusst. Weder habe ich irgenwo einen toten Fisch vergessen (den vermutlich die Garnelen ohnehin ruck-zuck abgenagt hätten), noch ist mir die Futterdose reingefallen.
Hm, Filter umgekippt. Wie passiert das? Auch dafür müsste es ja eine Urasache geben.
Möglicherweise hat sich das Dilemma schon lange vorher angekündigt, denn seit dem Frühjahr lag immer mal ein toter Platy im Becken. Das ist vorher nie passiert, die wurden eher immer mehr. Gleichzeitig habe ich gelegentlich auf der Oberfäche diesen Algenschleim entfernen müssen. Ich hatte dem nur keine Bedeutung zugemessen, da die von mir ermittelbaren Wasserwerte konstant bleiben.
Gibt es giftige Algen? Ich habe dazu in den Aquaristikforen nichts gefunden.

Ich werde auf alle Fälle das Becken komplett neu einrichten. Kann ich von dem Inventar (Wurzeln, Steine Pflanzen) noch was verwenden? Oder empfiehlt es sich alles neu zu kaufen?.

Viele Grüße,
Holger
 

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Hallo Holger,
für mich sieht dein Kies, sehr verschmutzt aus.
Bitte einmal kontrollieren, ob sich da viel Schmodder (Kot, Futterreste, ...) angesammelt haben.
 
Hallo!

ursprünglicher Bestand vier Graskarpfen (ca. 8cm), zwei Prachtbarben (ca. 8cm ), ca. 20 Platis, 4 Garnelen, 5 Barben (weiß nicht genau was für welche, ca. 4cm groß).

Für mich liegt das Problem schonmal in der Kombi aus stark besetztem Becken in Kombination mit geringem Wasserwechsel. 20l sind nichts für so ein Becken- gerade bei Problemen wie ungeklärtem Fischsterben wechsel mal lieber pro Woche mindestens 50 Prozent des Wassers, eher mehr. Solltest du Eimer schleppen müssen, kauf dir im Gartenmarkt einen langen Schlauch plus Aufsatz für den Wasserhahn: so kannst du bequem Wasser raus- und wieder reinlaufen lassen. Ich glaub, du hast einfach eine richtig verdreckte Brühe da drin- die Keimdichte wird entsprechend hoch sein. Plus hier und da ein toter Fisch und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Wenn du das Becken ausräumst, achte mal genau auf den Geruch. Beim Bodengrund würde ich mal ein wunderbares Bouquet aus faulen Eiern vermuten :wink: Schwefelwasserstoff kann dir schon auch Fische um die Ecke bringen.

Ich würde dir auch empfehlen: Becken ausräumen, durchspülen und neu aufsetzen. Den gebrauchten Filter würde ich persönlich- sofern das Filtermaterial nicht unrettbar zu ist- wieder einsetzen. Wenn er penetrant stinkt, Filtermaterial gut auswaschen, ansonsten nur kurz durchspülen. Den Bodengrund würd ich neu machen: keine zu grobe Körnung wählen, ich selbst nehm gerne Sand. Einrichtung kannst du nach Geruchsprobe wiederverwenden. Penetranter Gestank = weg damit. Nach Wasser bzw. Teich darf's aber riechen.

Viel Erfolg!
 


Hallo,

herzlichen Dank für die vielen Tipps.
Zuerst zum Kies, der ist in der Tat sehr veralgt. Mulm und Algen mache ich zwar beim Wasserwechsel immer weg, aber innerhalb von einer Woche ist das Zeug wieder da. Das war aber vor dem Unfall durchaus nicht der Fall, der Boden war immer blitzblank.

Habe gleich mal bei Wikipedia unter Cyanobakterien nachgelesen. Diese bilden mitunter starke Toxine. Das könnte womöglich den Fischen zum Verhängnis geworden sein. Das die Cyanobakterien mehr oder weniger plötzlich aufgetreten sind, ist dann vermutlich doch auf schlechte Wasserqualität zurückzuführen, ohne dass die üblichen Testflüssigkeiten dies angezeigt haben.

Ich habe mal eine Bodenprobe genommen und tatsächlich einen deutlichen Geruch nach anaerober Zersetzung festgestellt. Die sechs Jaher, die das Becken jetzt hier steht, waren dann doch zu lange.
Das mit den 20 Litern Wasserwechsel stammt aus einem Aquarienbuch. 10 bis 20% pro Woche stand da, mehr würde den Fischen Stress machen. Aber ich kann das leicht erhöhen, ich habe dafür extra eine Springbrunnenpume und eine Leitung in die Küche installiert.

Ich werde wohl Denises Rat befolgen und alles komplett neu machen.

Viele Grüße,
Holger
 
Hallo Holger!

Ach Schmarrn. Du kannst ruhig mehr auf einmal wechseln- du hast da mal wirklich keine Sensibelchen mit Frischwasserallergie drin sitzen :wink: Wie gesagt, ich wechsel wöchentlich mindestens 50 Prozent. Wichtig ist, dass du das Wasser temperiert einlaufen lässt. Etwas kühler macht nix bzw. ist für manche Fische sogar von Vorteil, aber nicht eiskalt. In Aquarienbüchern steht auch gern mal die eine oder andere Legende...
 
Graskarpfen? Meinst du echt die Graskarpfen die ich kenne?
Wie kann man die denn in 120 Liter setzen? Wie kann man die denn überhaupt in ein Aquarium setzen?
20 Liter bei dem Besatz ist nix.

Rudelst du den Kies ab und an um?
 

fischolli

R.I.P.
Moin,

Dein Becken ist m.E. sehr stramm besetzt. Da sind grosse Wasserwechsel (50%) angesagt und häufigeres Mulmabsaugen. Ich hab auch so meine Bedenken, ob der Innenfilter dafür ausreichend ist.

Gruß
 
Als wenig mit Fachkenntnissen belastet habe ich mich ja schon geoutet, daher bestehe ich nicht darauf, dass die fraglichen Fische Graskarpfen waren. Ich dachte, ich hätte sie unter dem Namen erstanden. Ich habe sie leider in meinem Fischbuch nicht gefunden, aber sie waren mit 8cm Länge jetzt auch nicht so furchtbar groß. Dafür aber immer eifrig dabei jedes auch noch so kleine Algenfitzchelchen abzuknabbern.
Ich habe heute einen großen Eheim Außenfilter gekauft und werde mich in den nächsten Tagen an die Neueinrichtung des Beckens machen. Schaun wir mal wie es wird.
Ich bedanke mich für alle Postings und denke, ich bin den Ursachen des Problems näher gekommen.

Gruß,
Holger
 


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