Literatur vs. Realität

Hallo allerseits,

seit ich mich in das Thema Meerwasseraquaristik einlese, in verschiedenen
Büchern und im weltumspannenden Netz, ist mir eine Sache immer deutlicher
aufgefallen: In allen Büchern, die ich zum Thema "Einfahren eines Meerwasseraquariums"
habe, steht, dass das Becken x Wochen mit totem Unterbaugestein und Sandgrund fährt,
bis die Werte stabil sind, und dann Lebendgestein eingebracht wird.
Wenn ich mir aber die schön gemachten und wirklich sehr hilfreichen Projektberichterstattungen auch hier im Forum anschaue, so wird dort das Lebendgestein
gleich am Anfang mit eingebracht !?

Kann Jemand sagen, wie es dazu kommt?

Vielen Dank und viele Grüße,
Marc(us)
 


elchi07

Moderator
Teammitglied
Hi Marc,

ich habe mich nach jahrelangem Lesen in einschlägiger Literatur und hier im Forum letztes Jahr auch zum MW-Nano durchgerungen. Mein Weg führte mich dann nach Bremen zu Michael Mrutzek. Erstens war es ein schöner Tagesausflug und zweitens half es mir, meine Frau vom Meerwasservorhaben zu überzeugen. :mrgreen:

Dort habe ich mich ausgiebig mit Michael und seinen Mitarbeitern unterhalten (meine Frau hatte ja genug zu sehen in der Zeit :D ) und habe dann im Nachhinein direkt mit Livesand und Lebendgestein gestartet. Es gab die üblichen Algenphasen - aber alles läuft stabil und das Gestein "lebt" noch. In einem Becken (ich habe mittlerweile auf Wunsch meiner Frau ein zweites - das heißt: sie wollte eins und ich habe die "Arbeit" damit) hatte ich eine Cyano-Plage, die ich aber mit einer Dunkelkur erfolgreich bekämpft habe. Das kann dir aber immer passieren.

Viele Grüße
Roman
 
Marc(us) schrieb:
In allen Büchern, die ich zum Thema "Einfahren eines Meerwasseraquariums"
habe, steht, dass das Becken x Wochen mit totem Unterbaugestein und Sandgrund fährt,
bis die Werte stabil sind, und dann Lebendgestein eingebracht wird.
Hallo Marc,

dann hast du merkwürdige oder veraltete Bücher. Ich kenne keines, in dem das so beschrieben wird. Wie sollen die Werte stabil werden bzw. was soll das nützen, wenn die Quelle für die Schwankungen, das Lebendgestein, noch gar nicht drin ist? Die Einfahrphase beginnt erst mit dem Lebendgestein. Dann wird organisches Material auf den Steinen zersetzt und die Bakterienpopulationen entwickeln sich.
Vorher Wochen zu warten, ist vertane Zeit, es sei denn, man entschließt sich, das Becken ganz ohne Lebendgestein und stattdessen mit Bakterienpräparaten einzufahren.

Grüße
Ingrid
 
Hallo Ingrid,

finde jetzt auf die Schnelle nur ein Buch : Das Riffaquarium, Praxis für Neueinsteiger, 2. aktualisierte Auflage 2007
von Rüdiger Latka.
Viele Grüße,
Marc(us)
 
Hallo Marc,

wenn das da wirklich so steht, wäre das für mich ein Grund, dieses Buch nicht weiterzuempfehlen. Aber vielleicht tun wir Latka auch Unrecht und es handelt sich um ein Missverständnis. Was schreibt er denn genau?

Grüße
Ingrid
 
Hallo Ingrid,

die Kurzfassung :

Beginn :
Technik, totes Unterbaugestein, Beleuchtung, extern aufbereitetes Salzwasser,
Bodengrund reinigen und einbringen, Technik in Betrieb nehmen.

Erste und zweite Woche:
Beleuchtung 8h/Tag, Schmieralgenphase abwarten, Algenfetzen immer mal wieder entfernen.
Ab und an Bodengrund aufrühren

Dritte Woche:
Geplante Menge lebende Steine hinzugeben, öfter die Sedimente von den Steinen abblasen.

Vierte Woche:
Höhere Algen wachsen lassen, Scheiben reinigen, endgültige Lichtregelung einstellen
(10-12h/Tag) Karbonathärte kontrollieren, ggf. erhöhen, Aktivkohle gegen Gelbstoffe
......................................................
Dritter Monat:
Algenfressende Fische und kleine Einsiedlerkrebse einsetzen..

Er benutzt also auch keinen Live sand.
Ich habe zwar gekürzt und keine ganzen Sätze verwand, aber seine Worte benutzt !

Viele Grüße,
Marc(us)

PS: hat Dich meine Frage bezgl. der Strömungspumpen erreicht ?
 
Hallo Marc,

danke für die Kurzfassung.
Dieses Vorgehen finde ich in der Tat nicht schlüssig. Ich hatte noch mal bei Daniel Knops "Riffaquaristik für Einsteiger" nachgeschaut. Er lässt das Lebendgestein zwar auch erst nach einer Woche einbringen, aber mit der Begründung, dass frisch angesetztes Salzwasser zu aggressiv für Organismen sei. Diese Version findet man noch häufig in der Literatur, sie gilt aber als überholt. Die heutigen Meersalze lassen ein Einbringen der Steine zu, sobald sich das Salz vollständig gelöst hat. Ich warte sicherheitshalber immer bis zum nächsten Tag, aber nicht länger.

Marc(us) schrieb:
PS: hat Dich meine Frage bezgl. der Strömungspumpen erreicht ?
Nein, hier ist nichts angekommen. Hattest du eine PN abgeschickt?

Grüße
Ingrid
 


Hallo Ingrid,
ich denke auch, daß es an der Agressivität der früher benutzten Salze liegt.
Ich denke auch, daß die Balling-Methode aufgrund der heutigen Salze hinfällig ist,
oder irre ich da?
Ich habe Dir eine Email gesendet über die Adresse auf Deiner Internetseite.

Viele Grüße,
Marc(us)
 
Hallo Marc,

Balling (oder eine andere Zugabemöglichkeit) ist nach wie vor notwendig in Becken mit entsprechendem Besatz. In der Regel können nur reine Weichkorallenbecken (oder Nanos mit großem Wasserwechsel) ihre Wasserparameter mit Wasserwechsel allein konstant halten.

Die Mail ist bei mir nicht angekommen, ich habe eben alles durchsucht. Tut mir leid. Beim Test eben hat's funktioniert.

Grüße
Ingrid
 


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