Leeres Aquarium "füttern"?

Hallo,

mein 110 Liter Aquarium ist nun seit 2 Wochen in der Einlaufphase.

Ich habe nun an mehreren Stellen gelesen, dass man das leere AQ "füttern" soll, um auf diese Weise die Bakterienkulturen im Filter (HMF) anzufüttern und das AQ auf die spätere Belastung vorzubereiten.

So weit so gut, allerdings habe ich beim Einrichten des AQ mit Pflanzen wohl Schnecken (wahrscheinlich Blasenschnecken) eingeschleppt. Nicht weiter schlimm, da sich momentan auch einige Algen bilden (Braunalgen, Fadenalgen) und diese ja wohl von den Schnecken gerne gefressen werden.

Das Problem was ich jetzt sehe ist, dass sich die Schnecken wahrscheinlich sehr stark vermehren werden, wenn ich noch zusätzlich Futter ins Becken einbringe, welches niemand sonst frisst.

Also was tun? Trotzdem "füttern"? Wenn besser nicht, wie die Filterbakterien "hochpeppeln"?


Außerdem habe ich noch eine zweite Frage, welche im Moment noch rein theoretisch ist, aber mich aufgrund der (endlos langen) Einlaufphase im Moment beschäftigt:

Ich warte nun so ca. 4-6 Wochen bis sich die ganzen Bakterien im Filter angesiedelt haben. Was aber ist, wenn die Fische irgendwann einmal eine bakterielle Erkrankung haben. Es gibt dagegen ja einiges an Medikamente zu kaufen, die dann aber wohl alle Baterien (auch die Filterbakterien)
abtöten. Was ist danach? Wieder Einlaufphase? Und wohin in dieser Zeit mit den (hoffentlich geheilten) Fischen?

Außerdem liest man häufig, dass man nach Medikamentengabe über Aktivkohle filtern soll. Was mache ich bei einem Hamburger Mattenfilter?


Viele Fragen, von denen hoffentlich einige beantwortet werden können...


Grüße André
 


Hallo André;

Zunächst mal kommt es nicht darauf an 4 bis 6 Wochen zu warten, sondern eben nur solange bis der Nitritpeak vorbei ist.
Wie da der Fortschritt ist, wäre am Ergebnis einer NO2 Messung (Tröpfchentest z.B.) feststellbar. Das wenige Futter in der Einlaufphase eines Beckens dient dem Zweck zu organischen Abfall zu werden, der dann die Grundlage zur Entwicklung der Bakterien ist. Gut beschrieben bei Nitrifikation. Deine Schnecken helfen da auch mit.
Maß der Dinge ist aber das Messen mit dem Ziel - festzustellen wann ein NO2 Höchstwert abklingt und unter 0,3 stabil bleibt. Dort genau kann dann langsam der Besatz beginnen.
Wenn man über Kohle filtern muß, um zu dieser Frage zu kommen, geht das natürlich nur über Filtertechnik im Innen- oder Außenfilter, zumindest wenn es wirksam sein soll. Vorstellbar wäre allerdings auch ein Filterbeutel (Textil) gefüllt mit Filterkohle und wenn der Platz reicht diesen hinter den Mattenfilter zu verbringen wobei ich da zur Wirksamkeit in der Praxis nichts sagen kann, daß sollten User tun die Mattenfilter evtl. schon mit dieser Kombination o.ä. verwendet haben.

Ob es nun Medikamente gibt, die die Bakterienstämme schädigen kann ich nicht sagen,( hatte in 29 Jahren noch nicht die Chance das probieren zu können). Bekannt ist mir allerdings, daß manche Algenvernichter da reichlich Schaden verursachen können, was wesentlich öffter vor lauter Ungeduld praktiziert wird, weil man den Versprechen auf der Packung glaubt und konventionelle Techniken ablehnt.

Ich denke das sollte zunächst genügen. Leitfaden und Nitrifikation nochmal im Selbststudium bearbeiten, das könnte Dir weitere Klarheit verschaffen.

Gruß Dirk - Werner
 
Hi Dirk,
Zunächst mal kommt es nicht darauf an 4 bis 6 Wochen zu warten, sondern eben nur solange bis der Nitritpeak vorbei ist.
Das ist soweit richtig. Wer aber Geduld hat und noch etwas wartet ist das schon nicht schlecht. Das System im Becken muss sich ja komplett erst einstellen und nicht nur die Nitrifikationskette. So z.B. Nährstoffhaushalt der Pflanzen ect. Erfolgt dieses nach und nach stabilisiert sich das AQ besser. Auch aus diesem Grund sollte der Besatz nach und nach geschehen.
 
Hallo,

erst mal Danke für die schnellen Antworten.

Das mit dem NO2-Messen ist mir schon klar (messe jeden zweiten Tag mit Tröpfchentest - Nitritpeak scheint aber noch nicht am Höhepunkt angekommen zu sein). Die Angabe von 4-6 Wochen bezog sich eher auf die zu erwartende Durchschnittseinlaufzeit (wie im Leitfaden für Anfänger beschrieben).

Meine Frage bezog sich eher auf die Problematik: Gebe ich Futter ins leere Becken um Filterbakterien in ausreichender Anzahl zu erhalten, obwohl darin bereits Schnecken leben? Oder ist dann mit einer Massenvermehrung der Schnecken zu rechnen, d.h. ich sollte das mit dem "anfüttern" eher sein lassen - dauert die Einlaufphase in diesem Fall dann voraussichtlich länger?

Gruß André
 
Hi!

Ich hatte in der Einlaufzeit auch Schnecken drin, und hab trotzdem meine Filterbakterien gaaaaaaaaanz wenig gefüttert. Eine explosionsartige Schneckenvermehrung hatte ich aber erst, als ich die ersten Garnelen und Fische "überfüttert" hab.

Soll heißen: Du fütterst die Bakterien mit so wenig, dass es auf die Schneckenpopulation kaum Einfluß haben sollte. (Ich behaupte, die vermehren sich so oder so :wink: )

Grüßle,
Sandra

PS: Schnecken sind toll :p Mach Dir keine Sorgen, wenn sie Dir zu viele werden, dann Gemüse ins Becken und am nächsten Morgen absammeln - fertig.
 
A

Anonymous

Guest
Hallo,

fish-fan schrieb:
Ich habe nun an mehreren Stellen gelesen, dass man das leere AQ "füttern" soll, um auf diese Weise die Bakterienkulturen im Filter (HMF) anzufüttern und das AQ auf die spätere Belastung vorzubereiten.
Ja, das liest man hin und wieder, aber mich begeistert der Vorschlag überhaupt nicht. Erstens werden Pilze die ersten Lebensformen sein, die sich über das Futter hermachen. Und das sieht einfach eklig aus. Und zweitens muß man schon recht nennenswerte Futtermengen ins Aquarium kippen, damit sich am Nitritpeak auch was tut. Zur Illustration: Ich hab' vor einiger Zeit mal ein paar Trockenfutterflocken auf meine Laborwaage gezählt und komme auf ein Durchschnittsgewicht von 2,5 mg pro Flocke. Über den Daumen gepeilt besteht Trockenfutter (je nach Qualität) aus rund 50 % Rohprotein. Proteine wiederum besitzen einen Stickstoffanteil von rund 7 %.

Also erhöhen ein bis zwei Flocken Trockenfutter den Nitritwert in 100 Litern Wasser um s a g e n h a f t e 0,0026 bis 0,0052 mg/l. Also praktisch überhaupt nicht. Sich zersetzende Pflanzenblätter bringen da viel mehr, eines meiner Echinodorus, mit der ich das mal durchgespielt habe, bringt nach Umsetzung immerhin 0,4 mg/l NO2 in 100 Litern Aquarienwasser.

Also was tun? Trotzdem "füttern"? Wenn besser nicht, wie die Filterbakterien "hochpeppeln"?
Ich füttere (bzw. lasse meine Vertretung während meiner Abwesenheit füttern) die Bakterien in meiner gerade einfahrenden Krebshöhle direkt mit Ammonium. Nötig ist das aber nicht, einfach nicht gerade penibel jedes absterbende Pflanzenblatt aufsammeln, und sonst einfach der Natur ihren Lauf lassen.

Es gibt dagegen ja einiges an Medikamente zu kaufen, die dann aber wohl alle Baterien (auch die Filterbakterien)
abtöten.
Vielleicht nicht gleich abtöten, aber zumindest schädigen, ja.

Ein neuerlicher Nitritpeak. Wohl nicht ganz so hoch wie der erste, aber ein neuer Peak.

Und wohin in dieser Zeit mit den (hoffentlich geheilten) Fischen?
Fleißig Wasserwechseln, um Nitrit unten zu halten, und die Fische im Aquarium lassen, wenn es gar nicht anders geht. Eigentlich ist es sinnvoller, die Fisch in einem eigenen Behandlungsbecken mit dem Medikament zu setzten, aber nicht jeder hat das.

Außerdem liest man häufig, dass man nach Medikamentengabe über Aktivkohle filtern soll. Was mache ich bei einem Hamburger Mattenfilter?
Vielleicht so wie schon geschrieben? Die Aktivkohle in einem Säckchen hinter die Matte legen? Keine Ahnung, hatte den Fall noch nicht.

Baumfalke schrieb:
Wer aber Geduld hat und noch etwas wartet ist das schon nicht schlecht.
Warum? Die sich gerade erst herangebildete Nitrifikantenflora wird wieder verhungern, wenn man nicht gleich nach dem Nitritpeak mit dem Besatz beginnt. Insofern ist es eher kontraproduktiv, noch länger zu warten, siehe auch hier: http://www.aquaristik-live.de/viewtopic.php?p=152411&highlight=#152411.

So z.B. Nährstoffhaushalt der Pflanzen ect.
Das dauert aber seine Zeit, üblicherweise ein Jahr oder so. Das will doch keiner abwarten :??

Auch aus diesem Grund sollte der Besatz nach und nach geschehen.
Genau. Eigentlich sollte das immer nach und nach geschehen, wenn's irgendwie geht.

Edit: Und ja, es ist den Bakterien egal, ob das Fischfutter zuerst durch einen Schneckenmagen gewandert ist, oder so rumliegt. Im Gegenteil dürften sie sich über vorverdautes Futter mehr freuen...

Viele Grüße
Robert
 
Hallo,

vielen Dank für die sehr ausführlichen Antworten.

Werde das Aquarium also ein gaaaaaanz wenig "füttern" :wink: und einen Großteil der Pflanzenreste im Becken lassen.

Die Schnecken bleiben natürlich drin - finde ich auch ganz toll schon mal etwas Leben im Aquarium zu haben.

Ich füttere (bzw. lasse meine Vertretung während meiner Abwesenheit füttern) die Bakterien in meiner gerade einfahrenden Krebshöhle direkt mit Ammonium.

Mal eine dumme Anfängerfrage: Wie bzw. womit füttert man direkt Ammonium? :oops:

Gruß
André
 


JoKo

Mitglied
Hi,

Robert Miehle schrieb:
.....einfach nicht gerade penibel jedes absterbende Pflanzenblatt aufsammeln, und sonst einfach der Natur ihren Lauf lassen.
.
.
.
Warum? Die sich gerade erst herangebildete Nitrifikantenflora wird wieder verhungern, wenn man nicht gleich nach dem Nitritpeak mit dem Besatz beginnt. Insofern ist es eher kontraproduktiv, noch länger zu warten, .....

das kann ich jetzt nicht ganz nachvollziehen, das erscheint mir unlogisch: wenn das absterben von Pflanzenblättern reicht um NO2 entstehen zu lassen damit sich die Bakterien bilden können (soweit ok), warum sollten dann die Bakterien nach dem Nitritpeak verhungern wenn keine Fische zugesetzt werden? Es werden doch weiterhin Pflanzenblätter absterben und für Nahrung der Bakterien sorgen, also sollte nach dem Nitritpeak im unbesetzten aber bepflanzten Aquarium immer ein - wenn auch geringerer als im voll besetzten Aquarium- Bakterienstamm vorhanden sein.
 
A

Anonymous

Guest
Hallo,

fish-fan schrieb:
Die Schnecken bleiben natürlich drin - finde ich auch ganz toll schon mal etwas Leben im Aquarium zu haben.
Ja, sehe ich auch so, zumal Blasenschnecken gute Kieselalgenvertilger sind. Es gibt allerdings auch Schneckenphobiker unter den Aquarianern, was ich nicht ganz verstehe :?.

Mal eine dumme Anfängerfrage: Wie bzw. womit füttert man direkt Ammonium? :oops:
Mit einem Ammoniumsalz wie z.B. Ammoniumsulfat oder Ammoniumkarbonat. Ich benutze wegen der einfacheren Erhältlichkeit letzteres (=Hirschhornsalz), zudem ist die Düngung in der Karbonatform im Endeffekt KH-neutral. Ja, ist wirklich so :wink:.

JoKo schrieb:
Es werden doch weiterhin Pflanzenblätter absterben und für Nahrung der Bakterien sorgen, also sollte nach dem Nitritpeak im unbesetzten aber bepflanzten Aquarium immer ein - wenn auch geringerer als im voll besetzten Aquarium- Bakterienstamm vorhanden sein.
Eben drum ist es unlogisch, nach dem Nitritpeak noch länger zu warten.

Viele Grüße
Robert
 


Oben