Bedingungen für Makropodeneier und "Babys"

Hallo
Ich bin stolzer Besitzer zweier Makropoden (macropodus opercularis) die des öffteren Schaumnester mit Eiern drin bauen.
Das Männchen bewacht dann das Nest eine Weile jedoch sind noch nie Junge geschlüpft. Irgendwann ist das Nest einfach verschwunden :( . Das andere Fische die Eier fressen glaube ich nicht da ich sonst nur zwei Guppys, ein paar Platys und Panzerwelse besitze (Außerdem lässt das Makropodenmännchen eh niemanden an das Nest heran :) )
Ist das Wasser villeicht ungeeignet? Ich habe leider sehr hartes Wasser :? (Ph: 8,2 KH: 7°d GH: 16°d)
Was kann ich tun ?
 


Henny

Mitglied
Hallo,

an dem harten Wasser liegt es bestimmt nicht. Mein Wasser ist noch härter und ich kann mit M. opercularis und M. spechti Nachwuchs handeln.
Hast Du tatsächlich beobachtet, dass es zur Paarung kommt und Eier in das Nest gehen? (Sorry, dass ich so blöd nachfrage!)
Bei der Paarung haben sich bei mir sonst so faule Neons schon reichlich bedient.
Bist Du Dir sicher, dass keine Larven geschlüpft sind? Die sind anfangs miniklein und unter Umständen, je nach Beckenbepflanzung und Lichtverhältnissen, sehr schwer zu entdecken.
Die kleinen Larven passen super in Guppy- und Platymäuler. Da die Larven das Schaumnest recht zügig für kurze Umgebungserkundungen verlassen, sind sie schnell ein gefundenes Fressen. So doll kann der Kerl gar nicht aufpassen. Und wenn die Larven nicht schnell entsprechend gefüttert werden, gehen die eh hops. Bis jetzt sind bei mir noch nie Larven durchgekommen, wenn ich der Sache einfach ihren Lauf gelassen habe.
Bei schneller Fütterung habe ich aber schon ein paar Tiere im Gesellschaftsaquarium durchgekriegt.

Wenn Du Dir sicher bist, dass Eier in dem Nest sind, kannst Du das Schaumnest vorsichtig raus nehmen und in eine kleine Glasschale überführen. Aber dann geht die Arbeit los... :wink:
Du kannst locker weit über 100 geschlüpfte Larven haben. Bei guter (sehr zeitintensiver) Aufzucht, kriegst Du bestimmt die Hälfte oder mehr durch. Dann sitzt Du irgendwann mit vielleicht 50- 60 M. opercularis da. Und bevor Du die abgeben kannst (weil vorher keine annäherde Sicherheit bezüglich M. oder W. da ist) brauchen sie so ihre 5cm.
Ich will Dich auf keinen Fall von dem Projekt abhalten. Man sollte sich nur vorher überlegen, auf was man sich da einlässt und ob man das wirklich will.
Will man diesen Aufwand auf sich nehmen, so ist das eine tolle Erfahrung! :)

Viele Grüße von Andrea
 
Du hast recht ich habe tatsächlich schon mal so was wie kleine Larven im Aquarium entdeckt aber die waren nach einer Weile verschwunden, also sicher gefressen. Das mit dem "Aufzuchtglas" werde ich sicher mal ausprobieren. Wie kann man die kleinen denn am besten füttern? reicht es wenn ich das normale flockenfutter in kleine stücke zerreibe?
Danke für deine schnelle Antwort :D
 

Henny

Mitglied
Hi (wie heißt Du eigentlich? - eine kurze Begrüßung ist hier gerne gesehen :) ),

nee, mit Flockenfutter wird das gar nichts.
Anfangs kannst Du zwei Mal am Tag Flüssigfutter geben, z.B. NobilFluid von JBL, auch Essigählchen gehen. Ungefähr eine Stunde nach der Futtergabe musst Du das Wasser mit einer Spritze abziehen und wieder frisch auffüllen, sonst kippt Dir die ganze Nummer. Mindestens ein mal am Tag muss das Glas (Glas ist besser als Plastik) von anhaftenden Bakterien befreit werden. Am Besten hat man dafür zwei Glasschalen im Wechsel zur Verfügung. In einer Schale wird das Altwasser und die Ausscheidungungen/Futterreste um die Larven vorsichtig fast ganz mit einer Spritze abgezogen, dann wird die Ladung in die andere Schale umgekippt und dort langsam frisch aufgefüllt. Die gebrauchte Schale wird mit heißem Wasser gründlich gereinigt. Am nächsten Tag erfolgt das Spiel wieder andersrum.
Nach ca. einer Woche kannst Du versuchen, ob die Tierchen Artemia-Nauplien nehmen. Dafür musst Du zwei Artemia-Ansätze parallel laufen haben, einen für morgens und einen für abends, weil die Nauplien nach dem Schlüpfen ganz rapide an Nährwert verlieren. Dabei ist auf gute Qualität der Cysten zu achten, ich schwöre auf die von Sanders.
So geht das dann eine ganze Zeit. Absolute Hygiene ist dabei ein Muss. Falls Du berufstätig bist, bedeutet das für Dich eine halbe Stunde früher aufstehen. Bei Nachlässigkeit sterben Dir die Viecher schneller weg wie Du 'Schlamperei' sagen kannst.
Sobald die Tierchen Artemianauplien nehmen, ist es sinnvoll, sie in einen 'Gerdkasten' umzusetzen. Der ist dafür gedacht, ihn in das Gesellschaftsbecken zu hängen. Da meine Becken von der Bauweise dafür nicht optimal sind, hänge ich ihn in ein 12l-Beckchen. Zusätzlich kommen TDS, PHS oder Blasenschnecken in den Gerdkasten und auch in das kleine Becken. Die beste Erfahrung habe ich mit PHS gemacht. Die Schnecken fressen einen Teil der anhaftenden Bakterien und Futterreste, produzieren aber auch viel Kot.
Der Gerdkasten wird täglich 'gepinselt', das kleine Becken mindestens alle zwei Tage. Wasserwechsel und pingeliges Absaugen mit einer speziellen Vorrichtung erfolgt natürlich weiter täglich. Und so vergeht die Zeit...
Bis die kleinen Makropoden zum ersten Mal Frostcyclops nehmen können, dauert das. Dann bricht so langsam eine andere makropodische Aufzuchtzeitrechnung an, aber da muss man erst mal hinkommen.
Als nächstes wird der Gerdkasten entfernt und sie kommen direkt in das 12l-Becken, danach in 45l und dann in 112l. Wenn es richtig viele Tiere sind, muss auch das 160er noch mal ran.

So ist der grobe Ablauf der Aufzucht bei mir in etwa.

Viele Grüße von Andrea (auch eine kurze Verabschiedung ist gerne gesehen :))
 
Hi Andrea :wink:
Vielen Dank für die ausführliche Anleitung. Hinter Makropoden-nachwuchs scheint eine ganze Menge Arbeit zu stecken :shock: wer weiß ob ich das durchhalte :| . Trotzdem ist es sicher eine Tolle Erfahrung und ich werds versuchen.

Mfg Jonas

PS: Du solltest ein Buch schreiben :thumright:
 

Henny

Mitglied
Hallo Jonas,

glaub mal nicht, dass das alles so auf meinem eigenen Mist gewachsen ist :wink: . Als ich die Nummer zum ersten Mal durchgezogen hatte, habe ich hier ganz tolle Hilfe bekommen. :D

Ich wünsche Dir ganz viel Spaß und Erfolg für Dein Projekt. Und berichte mal, wenn es losgeht.

Viele Grüße von Andrea
 
Hi AndreaHenni,

Fortschritt oder Kultur bedeutet auch, auf Erfahrungen anderer aufzubauen und sie zu nutzen, und nicht immer das Rad neu erfinden zu müssen.
Vielleicht nicht gleich ein ganzes Buch - aber schreibe doch Deine Erfahrungen mal auf.
Du schreibst sehr schön verständlich (für mich als Anfängerin), und Dein flotter Stil liest sich sehr gut. :thumleft:
HFlF: Hennis Fisch-LeitFaden.
LG Alora
 


Henny

Mitglied
Hi,

danke für die Blumen! :D

Hier setze ich mal den Link zu einem Thread von mir: Aufzucht von Macropodus erythropterus
Da über den letzten Jahreswechsel das System hier gecrasht war, fehlt der gesamte Anfangsbericht, aber ich hatte versucht, das Verlorene wieder ein wenig aufzuarbeiten.
Mit meiner heutigen Erfahrung mache ich zwar ein paar Sachen etwas anders, aber im Großen und Ganzen passt das.

Viele Grüße von Andrea
 


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