Nitrtitanstig, trotzdem noch anfüttern?

Hallo
hab seit einer Woche mein 160Liter Becken eingerichtet. hab kein WW gemacht und all2 2 Tage ganz wenig Flockenfutter dazugegeben. Drin sind schon 2 Schnecken, wahrscheinlich mit den Pflanzen reingekommen.
Hab gestern und heute mal den Nitritwert gemessen(Tröpfchen) und stell fest, dass er nun am steigen ist.
Muss ich jetzt immer noch Flockenfutter reingeben oder muss ich warten bis er wieder fällt ?

Hab mit einfahren noch keine Erfahrung, und wäre für tips dankbar

Gruss Maudi2
 


Hallo,

das weiß keiner. 8)

Man weiß einfach nicht, ob in der Zwischenzeit genügend Ammonium produziert wurde, damit die Bakterien genügend Nahrung finden. Ich würde die Fütterung auf jeden dritten Tag reduzieren und wirklich nur sehr wenig rein tun.

Dann sollte genügend für die Ammoniumproduktion vorhanden sein.
 
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Hallo,

fluethke schrieb:
Ich würde die Fütterung auf jeden dritten Tag reduzieren und wirklich nur sehr wenig rein tun.
Das mit den Anfüttern eines einfahrenden Aquariums liest man immer wieder, und, daß man mit dem Anfüttern vorsichtig sein solle. Aber bringt das dann wirklich was?

Ich hab' vor einiger Zeit mal ein paar Trockenfutterflocken auf meine Laborwaage gezählt und komme auf ein Durchschnittsgewicht von 2,5 mg pro Flocke. Über den Daumen gepeilt besteht Trockenfutter (je nach Qualität) aus rund 50 % Rohprotein. Proteine wiederum besitzen einen Stickstoffanteil von rund 7 %.

Damit erhöht eine Flocke Trockenfutter den Nitritwert in 100 Litern Wasser um s a g e n h a f t e 0,0026 mg/l. Also praktisch überhaupt nicht.

Jedes vergammelnde Blatt einer Wasserpflanze bringt die mehrere-hundertfache Stickstoffmenge ein. Ein einziges Blatt einer Echinodorus parviflorus (mit der habe ich das mal durchgespielt) würde in einem nicht-eingefahrenen 100 l-Becken den Nitritgehalt um 0,4 mg/l erhöhen.

Der Nitritpeak tritt also nicht wegen ein bisschen Placebo-Futter auf, das man anfangs ins Aquarium kippt, sondern hauptsächlich wegen der Pflanzenblätter.

Wenn man ein Aquarium mit Futter animpfen will, dann sollte das auch schon mit der Menge Futter geschehen, die später auch ins Aquarium kommt. Sonst hat man beim Einsetzen der Fische mit beginnender Fütterung nur noch mal einen Nitritpeak.

Viele Grüße
Robert
 
Hallo Robert,

Grazie, das habe jetzt auch ich verstanden. :p

Ich war mir bei den Mengen des Futters immer extrem unsicher, macht aber Sinn was du schreibst. Das mit der Reduzierung war unter dem Hintergrund, lieber einen Peak lange hinauszögern, als ein umgekipptes Becken.
 
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Hallo,

fluethke schrieb:
Das mit der Reduzierung war unter dem Hintergrund, lieber einen Peak lange hinauszögern, als ein umgekipptes Becken.
Das stimmt allerdings.

Und nicht alle Fische gleich nach dem Peak einsetzen, sonst stellt man die gerade erst eingespielte Nitrifikantenflora wieder vor Probleme. Vielleicht schaltet sich noch Magdalene in die Diskussion ein. Ich hätte da schon ein paar Fragen zur Dynamik der Nitrifikantenflora, die mich selber brennend interessieren.

Viele Grüße
Robert
 
Robert Miehle schrieb:
Vielleicht schaltet sich noch Magdalene in die Diskussion ein. Ich hätte da schon ein paar Fragen zur Dynamik der Nitrifikantenflora, die mich selber brennend interessieren.

Hi zusammen,

nun, da ich endlich mehr Zeit habe, schalte ich mich einfach mal ein.
Also vorab: ich bin keineswegs Fachfrau für Nirtifikanten ;-), weiss also selber nicht alles auf Anhieb, ich sollte aber in der Lage sein, mir das Wissen bei Bedarf anzulesen (Literaturrecherche - puh, das braucht auch Zeit!). Da mich die frage auch interessiert, versuche ich es mal. Ich schaue, wie weit ich in den nächsten Tagen damit vorankomme, OK?

Also, zu den Nitrosomonas (Ammonum-Oxidation, Nitrit entsteht) habe ich auf die Schnelle folgendes gefunden:
http://aem.asm.org/cgi/content/full/68/10/4751?ijkey=de427e609de6a565cd0e9a4b3b4401995ced5934

Da steht:
After 1 to 10 weeks of ammonium deprivation, N. europaea became almost immediately active after the addition of fresh ammonium and converted the added ammonium within 48 to 96 h. In contrast, the regeneration time of the ammonia oxidizer G5-7 increased with increasing starvation time.

Also, ist Nitrosomonas europaea wohl doch in der Lage, nach langer "Hungerperiode" (also bis zu 10 Wochen ohne Ammonium) binnen 48-96h das zugesetzte 5 mM Ammonium zu verwerten. Jedoch gibt es viele verschiedene Nitrosmoonas-Arten, das muss also noch lange nicht auf alle zutreffen. G5-7 (andere Nitrosomonas) brauchen wiederum umso längere Anlaufzeit, je länger sie gehungert wurden. Keiner von uns weiss genau, welche Nitrosomonas denn im heimischen Aquarium so rumoxidieren... daher mit Vorsicht zu betrachten.

Zu de rVielfalt von möglichen Bakterienarten, die daran beteiligt sien könnten, gibt es hier einen Artikel:
http://aem.asm.org/cgi/content/abstract/62/8/2888


Um die Nitrobacter kümmere ich mich dann die Tage, ich muss erst mal ausschlafen ;-)


viele Grüsse
Magdalene

Nachtrag:

zu Hungerperioden und "Erholung" der Bakis habe ich noch das hier gefunden:
http://aem.asm.org/cgi/content/full/65/6/2471?ijkey=50d14402d27bc725c741e95a16d68efe3c02847a
demnach erholen sich nach solcher Hungerphase Nitrosomonas eher als Nitrobacter (wieder nur je eine bestimmte Art getestet!), was einen Nitritpeak nach "Aushungern" der Population und folgendem plötzlichem Ammoniumanstieg erklären würde...

Noch eine Publikation zum Thema "Erholung" der Biofilme (wieder Nitrosomonas):
http://aem.asm.org/cgi/content/abst...895107768c6f4f7a5ffe7bd3&keytype2=tf_ipsecsha
 
Ich habe jeden Tag relativ kräftig angefüttert während der Einlaufsphase und das hat richtig gut geklappt. Wir haben mittlerweile jetzt fast alle Fische reingesetzt ohne der kleinste Anstieg in Nitrit.
 


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Hallo,

Magdalene schrieb:
nun, da ich endlich mehr Zeit habe, schalte ich mich einfach mal ein.
Dankeschön :). Auch ganz vielen Dank für Deine Literaturrecherche. Was mir aber immer noch nicht ganz klar ist: besitzt eine Nitrifikantenpopulation, die auf ein bestimmtes Nahrungsangebot eingestellt ist, eine Reserve? Könnte sie mit einer Mehrbelastung ohne erneuten Peak fertigwerden?

Ich habe keinen Schimmer von der Dynamik von Bakterienpopulationen und stelle mir das laienhaft so vor: die Nitrifikantenpopulation vermehrt sich solange, bis sie mit dem Nährstoffangebot gerade noch auskommt. Eigentlich nagt sie am Hungertuch, das Nährstoffangebot erhält sie so eben am Leben. Bei einem plötzlichen Schub, durch einen unentdeckten verstorbenen Fisch, oder weil der Nichte die Futterdose ausgekommen ist, sind Reserven vorhanden, und die Nitrifikanten werden damit fertig.

Irgendwie habe ich aber den Verdacht, auch nach dem Lesen Deiner Literaturstellen, daß ich mit dieser Vorstellung ziemlich daneben liege, und eine hungernde Bakterienpopulation eine andere Dynamik besitzt als ein hungerndes Rudel Wölfe...

Viele Grüße
Robert
 
Ok, der WW ist im moment bei 0,8 stabil seit Sonntag.Sollte er aufs We runtergehn werd ich mal 3 junge Schwertträger einsetzen. Die sind an Ostern geboren und jetzt ca 2cm gross.
Sollte sich an den WW übers We was negativ verändern bin ich ja zur Stelle und kann reagieren
Ich weiss hier sind viele gegen das kurze Einfahren, aber warum 4 Wochen warten wenns die Werte nach 2 Wochen stabil sind?
Desweiteren werden danach so im Abstand von 2-3 Tagen die restlichen Fische ( 2 antennis, 3 Guppys, davon einer geb am 28.4) einsetzen. Somit werden dann ungefähr innerhalb einer Woche 8 Fische ins neue 160 Liter Becken umgesiedelt. Denke nicht dass das zu schnell ist, da es nur wenige Fische sind.

Gruss Maudi2
 
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Hallo,

maudi2 schrieb:
Ok, der WW ist im moment bei 0,8 stabil seit Sonntag.
Nitrit stabil bei 0,8 mg/l? Und nicht weiter sinkend? Dann würde ich noch keine Fische einsetzen. Erst dann, wenn der Wert eine fallende Tendenz besitzt, und unter 0,3 mg/l angelangt ist.

Viele Grüße
Robert
 
Robert Miehle schrieb:
Irgendwie habe ich aber den Verdacht, auch nach dem Lesen Deiner Literaturstellen, daß ich mit dieser Vorstellung ziemlich daneben liege, und eine hungernde Bakterienpopulation eine andere Dynamik besitzt als ein hungerndes Rudel Wölfe...

Hallo Robert,
wenn ich es richtig verstanden habe, können die Nitrosomonas lange Zeit über ohne Ammonium auskommen, ohne abzusterben. Sie verändern dann ihren Stoffwechsel und machen einen auf "Winterschlaf" so in der Art. In der Natur müssen sie ja auch Phasen mit wenig Ammonium überbrücken. Bei plötzlicher organischer Belastung kommen also die Nitrosomonasschnell klar damit, sie bauen das Ammonium zu Nitrit ab, und die Nitrobacter, welche sich langsamer erholen, kommen unter Umständen mit dem Nitritabbau nicht ganz so schnell hinterher. Das passt auch von der Erscheinung her zu einem "zweiten nitritpeak" und würde bedeuten, dass man eben eher nicht zu lange nach dem ursprünglichem Nitritpeak mit dem Einsetzen warten soll, da die Nitrobacter es nicht so gut ohne Nitrit vertragen. Wenn, dann sollte also eine kontinuierliche Belastung mit organischem material herrschen, ohne grosse Sprünge.

Würde dann auch bedeuten, dass man nach dem ersten Nitritpeak was die Umwandlung von Ammonium zu nirtit angeht bereits ausgesorgt hat. Wenn Nitrosomonas einmal da sind, können sie auch wochenlang auf Ammonium warten, ohne kaputt zu gehen oder ohne dass die Population "schrumpft". Nitrobacter hingegen offenbar nicht - bricht Nitritzufuhr (über Nitrosomonas) ab, bekommen diese auf die Dauer schwierigkeiten und kommen dann auch nur noch langsam in die Gänge. Was ja bedeutet, dass sich erneut Nitrit anreichern kann.

Ist aber erst mal alles unter Vorbehalt, ich habe gerade mal angefangen, mich da reinzulesen. Kann ja sein, dass es auch andere Forschungsergebnisse gibt... Und das alles wurde auch jeweils exemplarsich an einer Nitrosomonas Art usw. getestet... also erst mal vorsichtig damit...

viele grüsse
Magdalene
 


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