Nitrobacter/Kuh am Nordpol

"Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass nicht Nitrobacter eine Hauptrolle im Nitrifikationsprozeß spielt, sondern Nitrospira.
Soweit, so gut. Doch spielt das denn überhaupt eine Rolle?
Ja! Denn Nitrospira ist weniger zu Nitrobacter verwandt, als eine Sonnenblume zu einem Menschen. Die Bedingungen für Nitrobacter zu optimieren, um damit den Nitrifikationsprozeß auf der Kläranlage zu verbessern, ist demnach wie eine Kuh am Nordpol zu füttern: Weder wird Nitrobacter den Nitrifikationsprozess in den meisten Kläranlagen verbessern, noch wird die erfrorene Kuh Milch liefern."


Quelle:
http://www.vermicon.de/editorial.php?co ... 1084054145

Aus der selben Seite auch folgendes Zitat:
"Heutzutage wissen wir, dass nur 0,1-1% aller im Abwasser vorkommenden Bakterien mit konventionellen Methoden detektiert werden können.
Der Grund hierfür ist, dass die meisten Bakterien mit künstlichen Medien nicht kultiviert werden können und deshalb unentdeckt bleiben."


Es ist wohl einleuchtend, daß man in den vergangenen Jahrzehneten sich in der Betrachtung der mikrobiellen Stoffumsatzes im Aquarium teilweise völlig unsinnig auf einzelne anzüchtbare Mikroorganismen fokusiert war.

Seiten wie http://www.aquacare.de/info/veroeff/bak2_nf/bak2_nf.htm sollten entsprechend vorsichtig bewertet werden.
Diese sehr gut und engagiert zusammengetragene Seite nur stellvertretend für Internet-Quellen, die teilweise noch mit überholtem Wissen vergangener Jahrzehnete gefüllt sind.

Gruß,
Dirk
 


Das Aquarium– unendliche Weiten.
Wir schreiben das Jahr 2006
Dies sind die Abenteuer des Forums Aquaristik-Live,
das mit seiner 5934 Mann starken Besatzung
??? Jahre lang unterwegs ist,
um neue Erkenntnisse zu erforschen,
neue Bakterien und neue Mikroorganismen.
Viele Lichtjahre von der Wahrheit entfernt,
dringt die Forschung in Bereiche vor,
die nie ein Aquarianer zuvor gesehen hat.

Sorry, war alles was mir zu dem Thema einfällt und ja, ich schau zuviel fern :oops:
 
Hallo Dirk,

Dirk Otto schrieb:
Es ist wohl einleuchtend, daß man in den vergangenen Jahrzehneten sich in der Betrachtung der mikrobiellen Stoffumsatzes im Aquarium teilweise völlig unsinnig auf einzelne anzüchtbare Mikroorganismen fokusiert war.

das trifft aber nur auf diejenigen zu, die sich über das aquaristisch erforderliche Maß hinaus mit den Bakterien befasst haben und das es sich nicht nur um Nitrosomonas/Nitrobacter handelt, sondern auch andere Bakterien beteiligt sind, ist nichts neues.

So wird unterschwellig auch immer mal bekannt, dass mit sinkendem pH die Pilze und Hefen maßgeblich werden.

Auch muss man bedenken bzw. wird leicht unterschlagen, dass die Abbaukette nicht erst mit dem Ammoniumoxidierern anfängt, sondern schon viel früher mit Schnecken und Würmern. Irgendwer muss schließlich das Ammonium erzeugen, welches dann und so weiter... Bleibt gerne unerwähnt.

Wer oder was letztendlich die Nitrifikation bewirkt, ist so gesehen völlig uninteressant. Hauptsache es läuft und damit ist es gut. Nur weil man möglicherweise eine beteiligte Bakterienart korrekt identifizieren kann wird nichts besser. Man hat nichts gewonnen und wird daraus nichts schlussfolgern können.

Da man als Aquarianer normalerweise nicht mal ein Würmchen, Glockentier oder sonstiges bestimmen kann, wird man es mit Bakterien erst recht nicht schaffen, selbst mit bester Ausrüstung nicht, weil die einzelnen Bakterienarten oftmals nicht visuell angesprochen werden können.

Also, immer ruhig durch die Hose atmen, das bedeutet alles gar nichts. :p
 
A

Anonymous

Guest
Hallo,

>>Nur weil man möglicherweise eine beteiligte Bakterienart korrekt >>identifizieren kann wird nichts besser. Man hat nichts gewonnen und >>wird daraus nichts schlussfolgern können.

- stimmt - bissl Kenntnisse ok - bei meinen Vorträgen frag ich zwischendurch immer wieder interessierte Zuhörer und lass sie so etwa wiederholen (spielerisch) was ich vorgetragen hab und was es für sie persönlich bringt - kommt da gar nix heraus - ändere ich das Teilgebiet oder lass es beim nächsten Mal weg. So wird ein Mindestmass an Praxisrelevanz gesteigert. Interessanterweise bringen so praktische Vorführungen ergänzend zum Vortrag immens viel. Nur ein einziges Mal hatte ich bisher einen Zuhörer, der von der Theorie viel mehr hören wollte > zugegebenermaßen langweilte das alle Anderen.

mfG Anton Gabriel
 
Hallo Olaf,

...und das es sich nicht nur um Nitrosomonas/Nitrobacter handelt, sondern auch andere Bakterien beteiligt sind, ist nichts neues.
nein- ist nichts neues.
Was neues ist es, daß in Aquarienfilterschlamm in aller Regel anscheinend überhaupt keine Nitrobakter nachweisbar sind ! :lol:
Daß trotz der Erkenntnis in sämtlichen Aquaristikforen fortegesetzt der Begriff "Nitrobacter" als Synonym für "Nitritoxidierer"benutztwird, ist ein Mißstand.
Kanneigentlich nicht so schwer sein, sich von diesem Sprachgebrauch zu verabschieden, weil er schlicht falsch ist.

Wer oder was letztendlich die Nitrifikation bewirkt, ist so gesehen völlig uninteressant.
Absolut korrekt. Esgibt aber auch mathematische modelle von solchen Systemen, bei denen z.B. Zellteilungsraten aus der Literatur übernommen werden.
Man muss eben aufpassen, daß man da nicht Zellteilungsraten von Bakterienstämmen übernimmt, die überhaupt nicht am geschehen beteiligt sind .

Im aid hatte mal ein Schreiberling zum Thema >Mattenfilter "umgekehrt" betreiben< vor kurzem geschrieben, daß es evtl. den Nitrifikanten nicht gut tun könnte, wenn sie sich auf der Außenseite der Matte ansiedeln, wo ja dort die Matte "beleuchtet" würde. Die Nitrifkanten seien ja schließlich "lichtempfindlich".

Dieser Schreiberling hatte das ja wohlauf der geannten Seite aufgeschnappt.
http://www.aquacare.de/info/veroeff/bak2_nf/bak2_nf.htm
Zitat:
"Auf jeden Fall muß der biologische Bakterienfilter im Dunkeln aufgestellt werden."

Mir rollt es da die Fußnägel hoch...
Hier wird die Betrachtung eines isoliert kultivierten Mikroorganismus auf die Spitze getrieben und es werden Schlußfolgerungen fabriziert, die völlig an den Haaren herbeigezerrt werden und jenseits jeder Praxisrelevanz sind.

Gruß,
Dirk
 
Hallo,

Dirk Otto schrieb:
Was neues ist es, daß in Aquarienfilterschlamm in aller Regel anscheinend überhaupt keine Nitrobakter nachweisbar sind ! :lol:

das musst Du Gerd erzählen, aber der hatte m.E. im Zuge einiger Experimente diesen Verdacht auch schon geäußert. Da scheint sich auf/in den offenen Biofilmen mehr abzuspielen als man denkt.

Daß trotz der Erkenntnis in sämtlichen Aquaristikforen fortegesetzt der Begriff "Nitrobacter" als Synonym für "Nitritoxidierer"benutztwird, ist ein Mißstand.
Kanneigentlich nicht so schwer sein, sich von diesem Sprachgebrauch zu verabschieden, weil er schlicht falsch ist.

nur weil eine Quelle das so darstellt, würde ich das selbst noch nicht gleich so eng sehen.

Man muss eben aufpassen, daß man da nicht Zellteilungsraten von Bakterienstämmen übernimmt, die überhaupt nicht am geschehen beteiligt sind.

die Zellteilungsraten sind eh offen und stark temperaturabhängig. Letztendlich bleibt als möglicher Streitpunkt nur die Identifizierung der beteiligten Bakterien und ob das nun so wichtig ist sei dahingestellt.

Im aid hatte mal ein Schreiberling zum Thema >Mattenfilter "umgekehrt" betreiben< vor kurzem geschrieben, daß es evtl. den Nitrifikanten nicht gut tun könnte, wenn sie sich auf der Außenseite der Matte ansiedeln, wo ja dort die Matte "beleuchtet" würde. Die Nitrifkanten seien ja schließlich "lichtempfindlich".

yo, da sind ganz große Spezialisten unterwegs.

Mir rollt es da die Fußnägel hoch...
Hier wird die Betrachtung eines isoliert kultivierten Mikroorganismus auf die Spitze getrieben und es werden Schlußfolgerungen fabriziert, die völlig an den Haaren herbeigezerrt werden und jenseits jeder Praxisrelevanz sind.

genau das habe ich schon lange "erkannt" und reagiere deswegen so gereizt auf tiefgründige Gedanken. Allerdigns muss ich der Vollständigkeit halber hinzufügen, dass ich auch hochexakte Definitionen und Benamsungen als nicht so wichtig ansehe, solange es nicht um Fische oder Pflanzen geht. Da halte ich korrekte Bezeichnungen für unentbehrlich.
 
Hallo Olaf,

nur weil eine Quelle das so darstellt, würde ich das selbst noch nicht gleich so eng sehen.

ne- nicht "eine" Quelle. Es lassen sich einige Paper, Dissertationen usw. finden, aus denen das klar hervorgeht. Ist zwischenzeitlich offenbar ein alter Hut. Wie gesagt, schon vor der Jahrtausendwende gab es entsprechende Untersuchungen. Das wird offenbar gar nicht kontrovers diuskutiert...
Leider ist einiges in englischer Sprache.

Den Link hier hatte ich nur reingestellt, weil er so schön populistisch ist.
Die Kuh hat mir sehr gefallen. Quellen, die ich für qualitativ hochwertig halte versuche ich gar nicht mehr so an die große Glocke zu hängen.
Manwird nach ein paar Jahren Internet richtig kindisch und will andere nicht mehr mit seinen "Förmchen" spielen lassen- zumindest versucht man die hübschesten Förmchen zu horten :lol:

Allerdigns muss ich der Vollständigkeit halber hinzufügen, dass ich auch hochexakte Definitionen und Benamsungen als nicht so wichtig ansehe, solange es nicht um Fische oder Pflanzen geht.
Naja- zwischen "hochexakt" und "grottenfalsch" liegen nun doch Welten :roll:

Gruß,
Dirk
 


Hallo,

Dirk Otto schrieb:
zwischen "hochexakt" und "grottenfalsch" liegen nun doch Welten :roll:

ja, allerdings ist es doch echt egal, welche Bakterienarten da am Werke sind. Das muss man nicht wissen, ich würde sogar sagen, dass jegliche Beschäftigung damit aus aquaristischer Sicht vergeudete Zeit ist. Da sollte man besser ein Aquarium mehr aufstellen und sichtbare Fische pflegen als die Namen unsichtbarer Bakterien.
 
Hallo Olaf,

ja, allerdings ist es doch echt egal, welche Bakterienarten da am Werke sind.
mir persönlich ist es auch nicht wirklich wichtig.

Denjenigen, welche nicht "Nitritoxidierer" sagen, sondern unbedingt noch die beteiligten Mikroorganismen beim Namen nennen müssen, denen kann es doch aber gar nicht egal sein... :lol:

Gruß,
Dirk
 


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