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Warum ist mein Bild zu hell/dunkel, oder ...

Dieses Thema im Forum "Aquarienfotografie" wurde erstellt von JoKo, 1. Juli 2008.

  1. ... wie funktioniert eigentlich ein Belichtungsmesser?


    Zuerst stellen wir uns mal ganz dumm um an die Frage heranzugehen. Was erwarten wir als Fotograf vom Belichtungsmesser?

    Er soll die Belichtung so messen, dass möglichst alles im Bild noch Zeichnung zeigt: die Tiefen sollen nicht pechschwarz sein, die Lichter nicht strahlend weiss. Bei einer Digitalkamera bedeutet das in Zahlenwerten: 0 = ganz dunkel, 255 = ganz hell....natürlich auf alle Farben (RGB= Rot, Grün und Blau) bezogen.

    Woher soll der Belichtungsmesser nun wissen was im Bild ganz hell ist und was ganz dunkel? "Sieht" er gerade Sonnenlicht oder soll er mit einer Nachtaufnahme klarkommen? Richtig, kann er nicht wissen.

    Der Belichtungsmesser "denkt" durchschnittlich!.

    Das heisst: er geht davon aus, dass alles Licht dass er erfasst im Durchschnitt(!) eine mittlere Helligkeit hat.

    Frage: was geschieht wenn man mit seiner Kamera mit Belichtungsautomatik eine gleichmässig weisse Wand fotografiert? Ist das Bild überbelichtet oder unterbelichtet? Oder ist es korrekt belichtet? Bitte erst mal überlegen, dann das Winzige lesen.

    Das Bild wird unterbelichtet, da der Belichtungsmesser ausgeht, dass das Licht eine durchschnittliche Helligkeit hat. Einfach mal probieren: Kamera auf die weisse Wand richten und danach mit einem geeigneten Programm die RGB-Werte kontrollieren: diese sind dann alle ca. bei 127 ± x.
    Dasselbe passiert bei einer schwarzen Wand, das Bild wird hier aber überbelichtet.


    Es spielt dabei keine Rolle, welcher Messmodus eingestellt ist. Üblich sind:
    - Mehrfeld-Integralmessung: die Kamera hat über (fast) das ganze Bild verteilt mehrere Sensoren. Aus diesen wird das Ergebnis gebildet.
    - Mittenbetonte Messung: eine kreisförmige Fläche in der Mitte des Bildes die ca. 40% des Gesamtbildes beträgt wird mit einer Gewichtung von 60% bewertet, der Rest des Bildes dementsprechend nur zu 40%. Die Zahlen weichen von Kamera zu Kamera etwas ab.
    - Spotmessung: nur eine kleine Zone im Zentrum des Bildes wird gemessen, die Fläche beträgt in der Regel <5% des Bildes.
    Letzteres hat nicht jede Kamera, wird auch eher selten benötigt.


    Was muss man nun tun wenn man gezielt mit der mittenbetonten oder gar der Spotmessung die hellsten Stellen des Bildes misst um zu knipsen?

    Man muss länger Belichten, oder die Blende weiter öffnen (kleinere Blendenzahl). Wer eine Belichtungskorrektur hat, versucht es mal im Bereich +1 - +2EV.
    Wer keine hat (unwahrscheinlich; wer manuell eingreifen kann, sollte das haben): 1EV (Exposure Value = Lichtwert) entspricht einer Verdopplung bzw. Halbierung der Belichtungszeit. Wenn man mit der Blende korrigiert: eine Verdopplung der Blendenzahl (z.B. von F2.8 auf F5.6) entspricht Faktor 4 der einfallenden Lichtmenge und somit 2EV.


    Also: immer dann wenn die Lichtsituation nicht mehr "durchschnittlich" ist, d.h. viele extrem helle oder dunkle Bereiche (z.B. auch Aufnahmen im Gebirge mit viel Schnee), dann hilft einem keine Belichtungsautomatik mehr. Dann heisst es mitdenken.
    Sofortige Erfolge sind nicht immer zu erwarten, es hilft nur: üben, üben. üben. Mit der Zeit hat man es im Gefühl wann man eingreifen muss und wieviel.


    Geschrieben aus aktuellem Anlass, darf gerne festgepinnt werden :wink:



    Und als Buchtipp für denjenigen er etwas tiefer einsteigen will:
    http://www.amazon.de/Andreas-Feiningers ... 453179757/
    Geschrieben als es noch keine Digitalkameras gab, das spielt aber keine Rolle. Die Grundsätze sind gleich geblieben.
     
  2. und bezogen auf die Fischfotografie möchte ich an der Stelle ein paar ergänzende Anmerkungen machen.

    Gerade einfache und kleine Digitalkameras machen dem Fischfotografen das Leben schwer. Sie sind dafür ja auch nicht gebaut. Sie wurden erschaffen um im Urlaub schnell aus der Hemdtasche geholt zu werden um dann ein schnelles Bild zu machen. Das können sie auch gut.

    In der Fischfotografie gibt es jedoch zwei Punkt die schwer sind:

    1. Die Belichtungssituation ändert sich beständig, da der Fisch üblicherweise in Bewegung ist. Er braucht sich nur etwas zu drehen und schon ist es ganz anders.

    2. Jede Automatik bedeutet Verzögerung und Verzögerung ist tödlich weil der Fisch dann schon wieder weg ist.

    Daher empfiehlt es sich jegliche Automatiken abzuschalten. Keine automatische Belichtung, kein Autofokus. Ein Blitz ist erlaubt bis erwünscht. Einfach nur abdrücken und dann muss die Kamera unmittelbar auslösen.

    Auch mit kleinen Kameras kann man gute Fischaufnahmen machen. Der Unterschied zu den großen Kameras ist der, dass der Bedarf an Glück bei den kleinen sehr viel größer ist. Sprich, die Randbedingungen (Fisch muss mitmachen, Licht muss passen ...) müssen bei den kleinen Kameras sehr viel größer sein und man wird damit sehr viel mehr Ausschuss produzieren als mit den großen Kameras.


    Nur mal als "Beweis":

    Dieses Bild wurde mit einer Nikon Coolpix 885 aufgenommen:

    [​IMG]

    Ich weiß nicht wie lange ich es versucht habe und qualitätsmäßig ist es begrenzt. Aber es geht, keine Augenschmerzen.

    Das hier entstammt einer Nikon D300 mit 105er Makro und 3 Blitzen.

    Der Unterschied ist größer als man so sehen kann, aber entscheidend ist das dieses Bild in vielleicht 5 Minuten entstanden ist. Mit einer "großen" Kamera mit den ganzen Möglichkeiten fotografiert man einfach bewusster und zielgenauer.

    [​IMG]


    ich möchte damit nur zeigen, dass die vielen schlechten Bilder, die man so im Internet vorgesetzt bekommt, daher rühren, dass sich die Fotografen a) auf die Automatik verlassen und b) einfach nicht streng genug gegen sich selbst sind. Zumeist kann man schon auf dem Kameramonitor sehen ob ein Bild schlecht ist und wenn schlecht, dann löschen, sofort. Es liegt nicht an der Kamera, es liegt nicht an fehlendem Können, es liegt in erster Linie daran das die Leute nicht streng genug mit sich selbst umgehen.
     
  3. Hallo,

    streng mit sich selbst ist immer subjektiv. Es kann sein, dass ich und wohl auch Du Olaf Dir das ein oder andere Bild, welches der Erzeuger unter für sich strengen Gesichtspunkten als Gut empfindet, wahrscheinlich nicht anschauen würdest.

    Recht gebe ich Dir bei den Kompaktknipsen. Obwohl ich da auch schon relativ gute Ergebisse erzielt habe ist es eine Gedulds- und Bearbeitungsfrage ob das Bild anschaulich wird.

    Für gute Bilder erforderlich: DSLR, Macro und mindestens einen Blitz (besser zwei oder drei) der entfesselt abgefeuert werden kann.

    Gruß
    Oliver

    Mein Wabi eben geknipst out of the box nur kompremiert.
     

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