Hallo Steffi,
eine berechtigte und gute Frage.
Sie ist zwar ist nicht unbedingt neu und taucht so alle Jahre wieder auf, aber sei es drum....
EichisS hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich habe mal eine generelle Frage zum Thema Wasserwechsel! Warum muß man eigentlich bei einem gut laufenden Aquarium das Wasser wechseln? Ich habe eine Dauerdiskussion zu Hause mit meinem allwissenden Schwiegervater, der aus Altersgründen nach zig Jahrzehnten sein Aquaristik-Hobby aufgegeben hat. Für ihn galt immer ca 3-4 Wasserwechsel pro Jahr! Ein AQ sei ein eingefahrenes Biotop an dem man nicht herumwerkel soll. Er hat immer nur wenn der Pflanzenwuchs zu enorm wurde gegärtnert und dabei Wasser gewechselt.
Da stellen sich erste Fragen:
Was ist ein gut laufendes Aquarium? Was habe ich mir darunter vorzustellen?
Wenn man nur alle Vierteljahre im Aquarium den Pflanzenbestand reduzieren muss, ist das für mich kein Zeichen eines gut laufenden Aquariums.
Und um mal mit einem ganz komischen Vorurteil aufzuräumen:
Ein Aquarium ist kein eingefahrenes Biotop!Aquarien sind sehr endliche Systeme, die von den Glasscheiben eingegrenzt werden.
Wenn man von Biotopen spricht meint man eventuell Seen, Tümpel, Flüsse oder Pfützen die aber immer noch mit der Umwelt in Kontakt sind.
Und dort findet Wasseraustausch statt und zwar täglich und in Mengen, die wir in einem Aquarium überhaupt nicht nachbilden können.
Schaut man sich Aquaristik vereinfacht an, dann wird dem System Aquarium jeden Tag etwas zugeführt.
Das kann sich auf Futter begrenzen oder aber auch Dünger umschliessen.
Irgendwohin müssen ja nun all diese Stoffe.
Einen Teil setzen die Fische/Tiere in Wachstum um.
Einen anderen Teil werden Pflanzen verwerten.
Tatsächlich sind dies aber nur Teilmengen die da verbraucht werden.
Auch werden Stoffe im System Aquarium "umgebaut", sei es durch Bakterien, Fische, Pflanzen oder anderes vorhandenes Getier.
Ein Teil der Stoffe landet auch im Filter bzw. seinen Filtermaterialien.
Auf der anderen Seite steht dann der Austrag an Stoffen aus dem System.
Ganz grob könnte man dies einteilen in:
Pflanzenentnahme
Mulm absaugen
Wasserwechsel
Filter reinigen
Warum heißt es denn jetzt überall, man soll (teilweise heißt es ja sogar wöchentlich) regelmäßig Wasser wechseln?
Ich verstehe dies, wenn ein AQ nicht gut läuft, wenn es stark verdreckt ist, wenn gefährliche Wasserwerte gemessen werden - wobei dies ja wiederum dazu zählt, dass es nicht gut läuft etc
Wenn ich Medikamente gegeben habe und diese durch neues Wasser in ihrer Konzentration verdünne damit sie nicht mehr nachweisbar werden etc usw etc - dies alles ist für mich sinnvoll, aber warum wechsel ich ständig das gut aussehende, von den Wasserwerten optimale Wasser wenn es den Fischen darin gut geht?
Diese Frage kann ich meinem Schwiegervater nicht beantworten, also frage ich euch! Ihr macht es ja auch, aber warum?
Fragende Grüße Steffi
Und nun gibt es eben verschiedene Aquarien.
Es gibt durchaus AQ die in einem guten Verhältnis zwischen Eintrag und Austrag stehen und dem Pfleger das Leben sehr einfach machen.
Es wird Systeme gegen die einen Wasserwechsel einmal im Monat benötigen oder auch erst nach sechs Wochen oder eben auch erst nach 4 Monaten.
Nur um mal beide Enden der Systeme zu skizzieren:
AQ 1: 200 Liter 10 Heterandia formosa, reichlich bepflanzt, gut beleuchtet und gedüngt
AQ 2: 110 Liter 90 Xiphophorus maculatus, ein paar Javafarne, spärlich beleuchtet und nicht gedüngt
Bei dem ersten Becken könnte ich mir gut vorstellen die Wasserwechsel verschieben zu können, beim zweiten AQ sieht das schon anders aus.
Ein anderes Kapitel sind dann noch die Keimdichten in den verschiedenen Aquarien die ebenfalls auf die Tiere einwirken.
Man sollte sich nur von der Vorstellung lösen, dass ein AQ ein "Biotop" sei.
Das System ist endlich und hat gar nix mit Natur zu tun.
Schreitet der Pfleger nicht zuweilen ein, fährt das Ding vor die Wand.
Nur die Pflegeintervalle können variieren, aber ohne geht es eben nicht.
Beste Grüße
Martin
Jede hinreichend fortgeschrittene Aquaristik muss als Magie angesehen werden.